Der olympische Gedanke zählt
Schneller laufen, höher springen, weiter werfen – oder doch „dabei sein ist alles“? Am Wochenende vom 26. bis 28. Mai zählte bei der neunten Ausgabe der Sommerolympiade der Jugend der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren in Sensburg vor allem der Gedanke der Integration, der gemeinsamen positiven Erlebnisse. Der Ehrgeiz der jungen Sportler kam aber auch nicht zu kurz.
Zu Olympia gehören bei der Eröffnung der gemeinsam gesprochene olympische Eid und das Entzünden des olympischen Feuers. Am Vormittag des 27. Mai wollte sich die Kerze wegen des Winds länger nicht anzünden lassen, die Teilnehmer auf dem Sportplatz der Sensburger Sonderschule nahmen es aber gelassen. So blieb ihnen ein wenig mehr Ruhe vor den kommenden Wettkämpfen in Sportarten, die nicht gerade typisch olympisch sind.
Drei ungewöhnliche Disziplinen als Pflicht…
Die Organisatoren der Landsmannschaft Ostpreußen Damian Wierzchowski und des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren Marta Mularczyk, Sebastian Jabłoński und Monika Krzenzek hatten für ein optimales Umfeld gesorgt. Die Auswahl der Disziplinen fiel hingegen schwer. „Nicht zu sportlich, denn wir haben sehr unterschiedliche Teilnehmer in Fähigkeit und Alter, aber nicht zu wenig herausfordernd für die sportlichen Asse“, fasste Sebastian Jabłoński die Diskussion zusammen. Letztendlich hatten gerade die Athleten beim ungewohnten Sackhüpfen ihre Schwierigkeiten, aber auch das Seilspringen und der Weitwurf des Medizinballs verlangten andere Geschicklichkeiten als sonst im Sport.
Beeindruckend war mit Jakub Małecka dennoch ein trainierter Sportler: bei einer Minute Seilspringen kam er auf 156 Umdrehungen. Er lernt am Wirtschaftslyzeum in Allenstein bei Damian Wierzchowski Deutsch, ebenso wie Michał Rakoczy. Der aktive Volleyballer glänzte nicht nur bei seiner Sportart mit der Ballbeherrschung, sondern auch beim Basketball oder Kicken in den Wettkampfpausen. Beim Dreikampf war er ganz selbstverständlich dabei, wie es sich für einen disziplinierten Sportler gehört. „Es macht Spaß, hier zu sein. Sehr nette Leute, gute Organisation, gute Atmosphäre, ich komme wieder“, war sein Statement am Ende des langen Sporttags und seiner ersten Teilnahme an der Sommerolympiade.
…und Mannschaftssport als Kür
Daria Pisarek von der Volkstanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein war zum zweiten Mal dabei. Anders als beim Tanzen kam sie beim Seilspringen überhaupt nicht in den Rhythmus. Während sie nach der langen Minute wieder zu Atem kam, hellte sich ihre Miene jedoch wieder auf: „Dafür lief es beim Sackhüpfen wesentlich besser. Zur nächsten Olympiade komme ich wieder, denn es gefällt mir hier – die Kontakte mit den anderen Jugendlichen, und ein wenig Entspannung zwischendurch.“
Nach einer Mittagspause im schulübergreifenden Internat in Sensburg, dem Quartier der Teilnehmer, machte sich die etwa vierzigköpfige Karawane mit den orangefarbenen T-Shirts auf den Weg zu einem anderen Sportplatz. Die Spielstätte auf dem früheren Gelände der Kaserne in Sensburg bietet nämlich mehr Raum für Mannschaftssportarten wie die noch ausstehenden Disziplinen Fußball und Volleyball. Trotz stellenweise heftigen Körpereinsatzes kam es außer einem vom Ball verursachten leicht verstauchten Finger zu keinen Blessuren. Sanitäter.
Am späten Nachmittag fand abschließend die Verleihung der Pokale für den Dreikampf statt, die die drei Besten in den jeweiligen Disziplinen in zwei Altersklassen stolz entgegennahmen. Die erfolgreichste Sportlerin Zuzanna Skiba aus der jüngeren Gruppe durfte sogar einen Pokal aus jeder Sportart mit nach Hause nehmen. Ein wenig geht es eben doch darum, sich selber und anderen zu beweisen, was man kann.
Auf zwei Sportplätzen und darüber hinaus
Ein Beispiel für den olympischen Gedanken war dagegen Julian Matczak aus Heilsberg von der Theatergruppe „Spiegel“ der dortigen deutschen Minderheit, der ohne Pokal blieb. Er war mit über 20 Jahren Veteran unter den Teilnehmern und erinnert sich an inzwischen acht Olympiaden. Sportlich ist er „eher dabei, um die Teilnehmerliste zu füllen“, scherzte er vor einigen Jahren, aber dank Menschen wie ihm gibt es eine kollegiale Atmosphäre, die das gemeinsame Erlebnis und die Integration der Teilnehmer aus verschiedenen Orten der Woiwodschaft fördert.
Für Eindrücke jenseits des Sports standen bei der neunten Sommerolympiade, für deren Finanzierung sich Teilnehmer und Organisatoren bei der Landsmannschaft Ostpreußen, dem polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig bedanken, noch eine Stadtralley mit Quiz und am ersten Abend ein Nachtspaziergang zu interessanten Ecken Sensburgs auf dem Programm. Vom Amphitheater über das Rathaus bis zum Bismarckturm kamen dabei noch einige zusätzliche Kilometer, viel Wissen über die Stadt Sensburg und viel gemeinsame Zeit mit Gleichaltrigen zusammen. Hoffentlich gelingt es im nächsten Jahr genauso gut!
„Diese Aufgabe wurde durch einen Zuschuss des Ministeriums für innere Angelegenheiten und Verwaltung unterstützt“
