Glut vom Himmel, Feuer von der Bühne
Zweiunddreißig Grad Celsius zeigte das Thermometer im Amphitheater beim Heilsberger Kulturhaus. Aber in Wahrheit war es darin noch heißer. Dafür sorgten die Künstler, die dem Publikum einheizten.
Das Sommerfest der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren fand am 27. Juni in Heilsberg statt. Dafür, dass das Amphitheater als Ort gewählt wurde, hatte entscheidende Bedeutung, dass Zuschauerraum und Bühne von einem Dach geschützt sind. Die direkte Nachbarschaft der Alle und das üppige Grün bewirkten, dass es sich in ihm trotz der Glut vom Himmel sicher aushalten ließ. Und es lohnte sich, denn auf der Bühne präsentierte sich ein Querschnitt dessen, was die deutsche Minderheit in Ermland und Masuren an Gutem zu bieten hat. Es begann feierlich mit einem ökumenischen Gottesdienst, den Domherr André Schmeier, der katholische Seelsorger der deutschen Minderheit, und der evangelische Pastor Witold Twardzik aus Passenheim zelebrierten.
Die künstlerischen Auftritte eröffnete das Städtische Blasorchester Osterode und dessen Solistin Anna Laskowska, die aktives Mitglied der Osteroder Gesellschaft der deutschen Minderheit ist. Es gab auch eine zweite Solistin, Magdalena Lobert aus Schönbrück, eine junge Wissenschaftlerin von der Universität Warschau. Es gab die Chöre aus Neidenburg, Heilsberg und Lötzen sowie als Gast den Chor Lerbachtaler aus dem Harz. Es sang der Chor aus Mecklenburg-Vorpommern aus Teilnehmern des Ausflugs in die alte Heimat, den Manfred Schukat und Friedhelm Schülke organisierten. Diese Chöre treten bei den Festen der deutschen Minderheit seit 1992 auf. Die Künstler sangen und das Publikum sang immer wieder mit oder klatschte im Rhythmus und unterhielt sich gut. Das Publikum riss die Regionaltanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein mit ihrer Jugend, Energie und Anmut mit. Einen Beweis von Geschick und Kunstfertigkeit lieferte auch „Perła Warmii“, die folkloristische Gruppe vom Heilsberger Kulturhaus, in der auch Mitglieder von „Saga“ tanzen und singen. Die Jugendgesangsgruppe aus Neidenburg zeigte, dass die Jugendlichen auch etwas zu Pop-Musik zu sagen haben. Die Glut vom Himmel strahlte die ganze Zeit vom Himmel, und die jungen Künstler fügten noch Feuer von der Bühne hinzu.
Zwar war eindeutig klar, wer und in wie zahlreicher Besetzung auf der Bühne auftrat, aber es war schwierig zu bewerten, wie viele Teilnehmer das Fest versammelte. Sicher nahmen an ihm die Mitglieder der deutschen Gesellschaften aus der ganzen Region teil., aber es kamen auch Delegationen der deutschen Organisationen aus Gdingen, Danzig und Graudenz. Es kamen einzelne Gäste aus Deutschland. Da zu Beginn des Festes der 600 Personen fassende Zuschauerraum voll war, nutzten zumindest so viele Personen die Gelegenheit, um zu hören und zu sehen, wer auf der Bühne auftritt, aber auch Bekannte zu treffen und sich zu unterhalten.
Gekommen waren auch offizielle Gäste wie die Abgeordnete Elżbieta Gelert aus Elbing, der Bürgermeister von Heilsberg Jacek Wiśniowski, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen in Deutschland Stephan Grigat, sowie Piotr Dukat und Dawid Bojarowski als Repräsentanten des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen. Zahlreich erschienen auf dem Fest Landtagsabgeordnete aus den Woiwodschaften Ermland-Masuren und Podlachien – und das nicht zufällig.
Am Samstag, dem 27. Juni, fand speziell in Heilsberg die erste gemeinsame Sitzung der Kommissionen für nationale und ethnische Minderheiten der Selbstverwaltungen der beiden Woiwodschaften statt. Hauptziel ihres Treffens war der Austausch von Erfahrungen sowie die Festigung der Zusammenarbeit für die Unterstützung der kulturellen Vielfalt. Davor jedoch nahmen die Abgeordneten beider Kommissionen am Fest teil.
– Wir wollten dieses Fest sehen und die Art und Weise, wie die deutsche Minderheit sich ihrer Umgebung zeigt. Bei uns gibt es keine deutsche Minderheit und das war für uns eine interessante Erfahrung, versichert Jacek Piorunek, Mitglied des Vorstands der Woiwodschaft Podlachien und der dortigen Kommission des Landtags für Minderheitenfragen.
Das Sommerfest ist das größte kulturelle Ereignis der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren und wurde organisiert vom Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren. Finanziell unterstützt wurde es vom Polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie vom deutschen Bundesministerium des Inneren und für Heimat unter Vermittlung des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen und von der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren.
