Heilsberg – Theaterworkshop 2026

Heilsberg – Theaterworkshop 2026

Ferien unter freiem Himmel und auf der Bühne

Theater kann man am Meer, an einem See oder auch in der Kulisse einer gotischen Burg machen. Wie das geht, konnten Jugendliche während der Theaterworkshops in Heilsberg (Lidzbark Warmiński) lernen. Ob sie es tatsächlich gelernt haben, wird sich allerdings erst im November zeigen.

„Lyrik im Theater“ lautete das Thema der diesjährigen Theaterworkshops, die traditionell in Heilsberg stattfanden. Sie wurden vom 26. Juli bis zum 2. August veranstaltet. Insgesamt nahmen 26 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren teil, darunter sechs aus der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die übrigen Teilnehmer kamen aus den Woiwodschaften Schlesien, Niederschlesien und Oppeln. In diesem Jahr war mit Grzegorz Stec aus Landsberg (Górowo Iławeckie) nur ein einziger Junge dabei. Er hatte bereits dreimal die Rolle des heiligen Josef beim Heilsberger Adventstreffen „Bethlehem der Völker“ gespielt.

Warum Lyrik im Theater?

„Das Theater ist eine Synthese verschiedener Künste und Fähigkeiten. Die Lyrik gehört dazu. Ein Gedicht besitzt einen Inhalt, den man verstehen und interpretieren muss, und Worte, die richtig ausgesprochen werden wollen. Auf der Bühne kommen Bewegung und Gestik hinzu. Ein Gedicht kann gesungen oder sogar getanzt werden“, erklärt Ewa Huss-Nowosielska von der Deutschen Minderheit „Warmia“ in Heilsberg. Die Germanistin unterrichtet Polnisch und organisiert seit vielen Jahren die Theaterworkshops. Darüber hinaus leitet sie die Jugendtheatergruppe „Spiegel“ der deutschen Minderheit.

Die Jugendlichen wurden in fünf Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhielt ein Gedicht über eine Jahreszeit. Ihre Aufgabe bestand darin, den Inhalt zu verstehen, die Aussage des Gedichts zu erfassen und sie anschließend in einer theatralischen Form auf die Bühne zu bringen. Dabei konnten sie alle vor Ort verfügbaren Mittel und ihre neu erworbenen Fähigkeiten einsetzen.

Während der Workshops standen unter anderem Aussprache, Diktion, Bühnenbewegung, Tanz und Bühnenbildgestaltung auf dem Programm. Neben Ewa Huss-Nowosielska betreuten mehrere Dozenten die Teilnehmer: die Germanisten Sebastian Gerstenberg aus Oberglogau (Głogówek) und Aleksandra Kupczyk aus Tost (Toszek), die Kunstpädagogin Katarzyna Gerstenberg, die Tanzpädagogin Aleksandra Jaworska sowie Iren Ruszczyk, Spezialistin für Kreistänze.

Zum Abschluss der Workshopwoche präsentierte jede Gruppe das Ergebnis ihrer Arbeit auf der Bühne.

Doch Theater war nicht das einzige Programm der Woche. Die Jugendlichen besichtigten Heilsberg und Allenstein (Olsztyn), unternahmen einen Ausflug nach Lötzen (Giżycko) mit einer Schifffahrt auf einem Masurischen See, besuchten die Ostseeküste in Krynica Morska und die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof.

Darüber hinaus lernten sie die ostpreußische und oberschlesische Volkskunst kennen. Dabei verzierten sie hölzerne Kochlöffel mit traditionellen Ornamenten aus beiden Regionen.

„Jede Veranstaltung und jeder Ausflug bietet uns Gelegenheit, Deutsch zu lernen. Wir möchten den Jugendlichen zeigen, wie ihnen die deutsche Sprache im Alltag helfen und viele Türen öffnen kann“, sagt Sebastian Gerstenberg.

Die Theaterausbildung in Heilsberg ergänzt in idealer Weise das Projekt „Jugendbox“ des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, das ebenfalls von Sebastian Gerstenberg koordiniert wird. Das Finale dieses Projekts findet im November in Oberglogau statt. Deshalb überrascht es nicht, dass einige Workshopteilnehmer zugleich an der „Jugendbox“ mitwirken.

„Ich werde diese Workshops weiterempfehlen“

Zu ihnen gehört die 14-jährige Kinga Stanula von der Grundschule in Biedrzychowice im Kreis Prudnik.

„Ich bin zum ersten Mal hier. Mir gefällt es sehr gut. Ich lerne neue Menschen und neue Orte kennen, verbessere meine Deutschkenntnisse und entwickle mich im Theater weiter. Das wird mir auch bei unserem Auftritt im Projekt ‚Jugendbox‘ zugutekommen“, erzählt sie.

Auch die 13-jährige Magdalena Kukla-Gach, Schülerin der freien Schule in Mechnitz (Mechnica) im Kreis Kędzierzyn-Koźle, kam mit großen Erwartungen nach Heilsberg.

„Eigentlich wollten wir zu fünft kommen, aber drei Mädchen haben kurzfristig abgesagt. So sind wir zu zweit gefahren – ohne jemanden zu kennen. Ich wusste nicht einmal, dass es die Stadt Heilsberg gibt. Trotzdem wollte ich unbedingt an einem solchen Workshop teilnehmen, weil ich Tanz und Theater liebe. Ich hoffte, etwas Neues zu lernen, und bin wirklich begeistert. Ich werde diese Workshops meinen Freundinnen auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Die Theaterworkshops in Heilsberg wurden vom Bundesministerium des Innern (BMI) über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) sowie vom polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung finanziell gefördert.