Freude und verhaltener Optimismus
Der Verband deutscher sozial-kultureller Vereine in Polen hat dem Verein der deutschen Minderheit „Mazury“ in Lyck einen Zuschuss von fast 200.000 Złoty für die Renovierung seines Vereinshauses gewährt. Diese Unterstützung lässt die Organisation optimistisch in die Zukunft blicken. Aber nicht ganz.
Im Februar dieses Jahres wurde das Vereinshaus von „Mazury“ infolge eines Ventildefekts überflutet. Da sich der Defekt im Obergeschoss ereignete, wurde nicht nur dieses, sondern auch das Erdgeschoss überflutet, und das Wasser drang bis in den Keller vor. Die Schäden sind enorm. Die Behebung der Bauschäden und die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Gebäudes sollen über 270.000 Złoty kosten!
Die Mazuren aus Lyck ließen sich davon nicht unterkriegen und machten sich sofort an die Arbeit. Sie entfernten alle durchnässten Möbel, Teppichböden und diverse andere Einrichtungsgegenstände. In Eigenarbeit führten sie verschiedene Vorbereitungsarbeiten für die Renovierung durch. Doch trotz ihres großen Engagements können sie ohne die entsprechende Ausrüstung nicht alles selbst erledigen. Außerdem fehlt ihnen das Geld für Baumaterialien. Im April dieses Jahres stellte Urszula Sasińska bei der Delegiertenversammlung in Sensburg/Mrągowo die Situation des Vereins Joanna Hassa vor, der Leiterin des Büros des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Vereine in Polen. Diese besuchte Lyck und versprach Hilfe. Sie hat ihr Versprechen gehalten.
Vor kurzem hat der Verband dem Verein einen Zuschuss in Höhe von ca. 200.000 Złoty für die Renovierung seines Vereinshauses gewährt.
„Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung. Sie ermöglicht es uns, die Renovierung durchzuführen. Aus eigener Kraft hätten wir das nicht geschafft“, versichert Urszula Sasińska, Vorsitzende des Vereins „Mazury“.
Die Förderung ist hoch, aber auch der Eigenanteil des Vereins wird mit über 70.000 Złoty nicht unerheblich sein. Die Mitglieder von „Mazury“ versuchen stets, so viel wie möglich selbst zu erledigen. So haben sie beispielsweise die Pflastersteine vor dem Gebäude entfernt. Und kürzlich haben sie die Terrasse abgebaut, von deren Dach Wasser in den Keller lief. Sie haben die Fundamentfüße für die neue Terrassenkonstruktion gegossen. Der ehrenamtliche Leiter dieser Arbeiten sowie der gesamten Renovierung und zugleich der Beschaffer ist Emil Denert, privat der Bruder der Vorsitzenden Urszula Sasińska, der Bauunternehmer ist und weiß, was und wie man es machen muss.
Nach der Renovierung wird das Gebäude seine Funktion wiedererlangen. Es wird auch 10 Übernachtungsplätze und eine Küche für Gäste bieten. Schon zuvor gab es dort Gästezimmer, aber nach der Überschwemmung ist davon nichts mehr übriggeblieben. Obwohl die Mazurzy mit der Renovierung beschäftigt sind, vernachlässigen sie ihre laufenden Aktivitäten nicht. Sie organisieren nicht nur wöchentliche Treffen, sondern auch verschiedene Projekte. Das größte davon war ein Familienpicknick, das im Juni gemeinsam mit der Stadt organisiert wurde.
Leider ist die bereits in Angriff genommene Renovierung des Vereinssitzes nicht die einzige große Sorge dieser Organisation. Kurz nach der Katastrophe im Februar im Büro ereignete sich ein ähnlicher Vorfall im Wasserturm, in dem der Verein ein Regionalmuseum betreibt. Auch dieser wurde überflutet, allerdings durch schmelzenden Schnee. Das schmelzende Wasser ließ während der Temperaturschwankungen im Frühling ein Abflussrohr platzen. Die Sammlungen wurden vergleichsweise wenig beschädigt, doch viele Geräte und Teppichböden müssen entsorgt werden.
Repariert werden müssen die Fußböden und Decken sowie dieses defekte Rohr, das sich in der Mitte des Turms befindet. Da es sich um einen denkmalgeschützten Turm handelt, ist keine der Arbeiten daran einfach. Wie viel die Renovierung kosten wird, wird der Kostenvoranschlag zeigen.
Und deshalb ist der Optimismus der „Mazury“ verhalten.
