Mohrungen – Herders 282. Geburtstag

Mohrungen – Herders 282. Geburtstag

Von Gemälden zu Medaillons

Was Johann Gottfried Herder, der bedeutendste Bürger von Morąg/Mohrungen, dachte, wissen wir dank seiner Bücher. Aber wissen wir auch, wie er aussah? Zu seiner Zeit gab es noch keine Fotografie.

Der Philosoph und Schriftsteller Johann Gottfried Herder ist der berühmteste Bürger von Morąg/Mohrungen. Die Stadt gedenkt ihm und veranstaltet jedes Jahr ein rauschendes Geburtstagsfest zu seinen Ehren. Die Organisatoren sind seit vielen Jahren der Verein der deutschen Bevölkerung „Herder“ aus Morąg und das Oberpreußische Museum in Morąg, das bis vor kurzem noch Herder-Museum hieß. In dessen Räumlichkeiten, die sich im Schloss der Familie zu Dohna befinden, findet die Geburtstagsfeier stets statt. So war es auch am 25. August – 282 Jahre nach seiner Geburt. Wer kam zur Geburtstagsfeier?

Vor allem Kinder, denn für sie hatten die Organisatoren die meisten Attraktionen vorbereitet. Und die größte Attraktion war die Möglichkeit, sich in Kostüme aus Herders Zeit zu verkleiden und Fotos von sich zu machen. Die Kinder konnten außerdem Ausschneidebilder basteln, malen und Seifenblasen pusten. Eine Geburtstagstorte gab es zwar nicht, dafür aber leckere Waffeln, Limonade und Zuckerwatte, die von den Mitgliedern des Landfrauenvereins aus Wilnow zubereitet wurden.

Die Erwachsenen hatten jedoch ein anderes Programm. Es begann mit einer Kranzniederlegung am Herder-Denkmal, das gegenüber dem Haus steht, in dem er geboren wurde und lebte. Dem bedeutendsten Sohn Morągs erwiesen unter anderem der Bürgermeister Tomasz Orłowski selbst sowie Piotr Żuchowski, der Direktor des Museums von Ermland und Masuren, zu dem auch die Außenstelle in Morąg gehört, ihre Ehre.

Anschließend begaben sich alle ins Museum. Hier hielt seine Leiterin, Angelika Rejs, einen kurzen Vortrag über das Bildnis Herders in der Medaillenkunst, Malerei und Bildhauerei.

Herder gehörte, wie die Museumsfachfrau feststellte, zu den Menschen, die gut porträtiert wurden. Erhalten geblieben sind Porträts von ihm in der Tracht eines protestantischen Geistlichen, in Zivilkleidung, in den besten Jahren und im hohen Alter. Kopien davon konnten während des Vortrags besichtigt werden. Diese Darstellungen dienten später anderen Künstlern als Vorlage für die Gestaltung zahlreicher Medaillen mit dem Bildnis des Philosophen sowie für Briefmarken. Drei Medaillen, die zu polnischen Zeiten herausgegeben wurden, befinden sich in den Beständen des Oberpreußischen Museums.

Herder – ein deutscher Philosoph und Schriftsteller aus Morąg – genoss und genießt nach wie vor die Gunst der polnischen Behörden. Im Jahr 1964 wurde in Morąg eine Büste von ihm enthüllt. Sie war ein Geschenk des Kulturministers der DDR an Polen. Das im selben Jahr gegründete Museum wurde nach ihm benannt. In vielen Städten Nordpolens gibt es Straßen, die seinen Namen tragen.

Johann Gottfried von Herder – geb. am 25. August 1744 in Morąg, gest. am 18. Dezember 1803 in Weimar. Er war ein deutscher Philosoph, Pfarrer und Schriftsteller. Er gehörte zu den Weimarer Klassikern. Seine Werke beeinflussten die Ansichten von Philosophen des deutschen Idealismus wie Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Hegel. Dichter der Romantik wie Achim von Arnim und Clemens Brentano sowie die Brüder Grimm ließen sich von seinem Werk inspirieren. Herder hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der nationalen Literatur in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern.