Die Heimat soll man im Herzen haben, nicht auf dem Papier 

Die Heimat soll man im Herzen haben, nicht auf dem Papier 

Gespräch mit Henryk Hoch, dem Vorsitzenden des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren. 

Der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren feiert 30 Jahre seines Bestehens. Wie sieht er im Jahr 2023 aus? 

Zum Verband gehören im Jahr 2023 die Gesellschaften in Bartenstein, Bischofsburg, Braunsberg, Elbing, Lyck, Landsberg, Deutsch Eylau, Rastenburg, Hohenstein, Osterode, Mohrungen, Sensburg, Johannisburg, Ortelsburg und Angerburg. Im Lauf der letzten fünf Jahre haben sich die Gesellschaften in Preußisch Holland und Treuburg aufgelöst. Ihre Mitglieder haben die benachbarten Organisationen verstärkt. Die im Verband versammelten Organisationen zählen insgesamt 1.785 Beitrag zahlende Mitglieder. Da Personen über 70 Jahre von den Beiträgen befreit sind, kann man ihre Größe auf etwa 3.500 Personen festsetzen. Seit April 2022 bilden folgende Personen den Vorstand des Verbands: Henryk Hoch, der Vorsitzende (seit 2004); Gerard Wichowski, der Vizevorsitzende und Chef der Gesellschaft „Warmia“ in Heilsberg; Monika Krzenzek, die Schatzmeisterin und Vorsitzende der Gesellschaft „Heimat“ in Ortelsburg. Die übrigen Mitglieder des Vorstands sind Irena Szubzda aus der Gesellschaft „Masuren“ in Lyck, Danuta Kanclerz aus der Gesellschaft in Bartenstein, sowie Sebastian Jabłoński aus der Gesellschaft „Bärentatze“ in Sensburg.

Was halten Sie für den größten Erfolg des Verbands in diesen 30 Jahren, die seit seinem Entstehen vergangen sind?

Dass wir weiterhin existieren, trotz der sich besonders in den letzten Jahren verschlechternden Einstellung gegenüber den Deutschen, dabei auch gegenüber uns und Deutschland. In dieser ungünstigen Atmosphäre haben wir jedoch gute Kontakte mit den Verwaltungen der Gemeinden und der Selbstverwaltung der Woiwodschaft. Das gibt mir Hoffnung darauf, dass sich diese Atmosphäre jetzt verbessert. Sehr hoch schätze ich noch die ununterbrochene Unterstützung der Landsmannschaft Ostpreußen und des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Oppeln.

Und was hat in diesen dreißig Jahren nicht geklappt? 

Unser größter Misserfolg, und ich zögere nicht, dieses Wort zu benutzen, ist die Arbeit mit der Jugend. Wir schaffen es nicht, sie zur Aktivität zu ermuntern und wir schaffen es nicht, sie zu halten. Sehr wenige junge Menschen sind aktiv. Es fehlen uns Aktive. Die Generation der Gründer der Gesellschaften wird älter, Jugendliche gibt es sehr wenige und dadurch vergrößert sich die Distanz der Generationen noch. Die Formen und Methoden unserer Tätigkeit, sind für junge Menschen nicht attraktiv und das entmutigt sie. Gleichzeitig sind sie zu wenige, um die Initiative zu übernehmen und auf ihre Weise aktiv zu sein. Wir wissen nicht, wie wir sie dazu ermuntern können. Ich weiß jedoch, dass man die Heimat im Herzen haben soll, und nicht auf dem Papier, und wenn jemand sie nicht im Herzen hat, dann spornt ihn nichts an. Die ganze Zeit suchen wir jedoch eine Art des Umgangs mit der Jugend. 

Das Jubiläum ist ein Feiertag, aber das Leben setzt sich hauptsächlich aus dem Alltag und Arbeit zusammen. Welche Pläne hat der Verband für die Zukunft? 

Wir suchen die ganze Zeit Ideen für die Jugend. Eine gute Initiative erscheinen mir in diesem Bereich die Jugendpunkte, in denen die Jugendlichen selbst darüber entscheiden, was sie machen wollen und junge Leiter haben. Eine wichtige Rolle erfüllen hier auch die Kulturmanager, die uns das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart schickt. Sie bringen neue Ideen und Aktionsformen. Ich denke nur, dass sie zu kurz bei uns verweilen, denn wenn sie das Umfeld kennenlernen, Bekanntschaften knüpfen, dann beenden sie den Vertrag. Ich denke, dass uns in der Arbeit mit den Jugendlichen und in den gegenseitigen Kontakten die Vergrößerung unserer Aktivität in den sozialen Medien im Internet hilft. Das würde ich gern in der nächsten Zukunft machen.  Außerdem halten wir uns an bewähre Formen der Aktivität: das Festival „Unter einem gemeinsamen Himmel“, das die Minderheiten integriert und sie der Gesellschaft zeigt, die Sommerfeste, der Wettbewerb des deutschen Liedes und der Rezitationswettbewerb, die Sportolympiade für die Jugendlichen, Ausflüge, Schulungen. Ich werde auch nicht damit aufhören, die Gesellschaften und einzelne Mitglieder zum Durchführen von Deutschunterricht zu ermuntern. Denn ohne die Sprache sind wir niemand. Und das ist schließlich nicht nur die Sprache der Vorfahren, sondern auch eine Sprache, die den Jugendlichen eine Zukunft eröffnet. Jetzt, wenn wir dank des Internets von Zuhause aus arbeiten können, ist Deutsch besonders wichtig. 

Was wünschen Sie zum Jubiläum den Mitgliedern der deutschen Gesellschaften? 

Ich wünsche ihnen und auch mir, dass die Atmosphäre um die Deutschen und Deutschland in Polen sich so schnell wie möglich reinigt, dass der Unterricht in Deutsch als Muttersprache an Schulen zu seinem Umfang von drei Stunden pro Woche zurückkehrt, dass sie sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen, sondern in sich die Kraft und die Freude zur Arbeit für unsere Heimat finden, also dazu, dass wir wir selber sein können, das nicht verbergen müssen und uns der Achtung und des Verständnisses der Nachbarn freuen können.