Mohrungen – 30 Jahre deutsche Gesellschaft „Herder“

Mohrungen – 30 Jahre deutsche Gesellschaft „Herder“

Völker verbindend über Jahrzehnte

Kurz vor Ende August feiert der Verein der deutschen Bevölkerung „Herder“ in Mohrungen traditionell den Geburtstag des dort geborenen großen Philosophen Johann Gottfried Herder. Dieses Jahr stand bei der Feier am 27. August im Gemeindehaus der Michał-Kozal-Gemeinde aber das 30-jährige Bestehen des Vereins im Mittelpunkt.

Neben der großen Anzahl an Freunden und Wegbegleitern des Vereins der deutschen Bevölkerung „Herder“ aus Deutschland und Polen aus 30 Jahren Aktivität waren es zwei Dinge, die die Feierlichkeiten in der Kirche und im Gemeindesaal der Michał-Kozal-Gemeinde in Mohrungen auszeichnete: sie war vom Gottesdienst bis zum letzten Ton der Tanzmusik am Ende der Feier ökumenisch und komplett zweisprachig deutsch-polnisch gehalten.

Selbstverständlich bilingual

Das Krähen eines Hahns bekommt man mitten am Tag selten zu hören. In Mohrungen schon. Bei der 30-Jahr-Feier des Vereins „Herder“ war das aber kein Weckruf, sondern der Startschuss zu den Tanzdarbietungen der Tanzgruppe „Saga“ der deutschen Minderheit in Bartenstein im künstlerischen Teil der Veranstaltung. Während bei diesem Tanz ein Tänzer als Hahn im Korb allein mit einigen jungen Damen fertig werden musste, gelang es den Organisatoren, eine ähnliche einsame Position auf sprachlicher Ebene zu verhindern. Sämtliche Grußworte und Gratulationen, unter anderem von Ingrid Tkacz im Namen der Kreisgemeinschaft Mohrungen auf Deutsch oder von Mohrungens Vizebürgermeister Leszek Biernacki auf Polnisch wurden in die jeweils andere Sprache übersetzt. Und wer beide Sprachen konnte, sprach in beiden, wie Róża Kańkowska von der deutschen Gesellschaft in Elbing oder der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren Henryk Hoch, der dem Verein „Herder“ eine Erinnerungstafel zum Geschenk machte.

Vielfalt in Glauben und Kultur

Sogar Wiktor Marek Leyk, der Beauftragte des Marschalls der Woiwodschaft Ermland-Masuren für Minderheitenfragen, lobte und dankte der Gesellschaft „Herder“ zuerst einmal auf Deutsch, ehe er auf Polnisch auf aktuelle Ereignisse und die traditionelle Vielfalt der Kulturen im früheren Ostpreußen einging. Eine Vielfalt, die auch der evangelische Pastor Wojciech Płoszek bei seiner Rede im Gottesdienst als Gast in der katholischen Michał-Kozal-Kirche thematisierte. Deren Pfarrer Dariusz Piórowski hielt sich dort zurück, hielt aber später einen Vortrag zum berühmten Sohn Mohrungens und Namensgeber des Vereins Johann Gottfried Herder. 

Im Sinne dieses Vertreters der Völkerverständigung und des europäischen Gedankens feierten im Gemeindesaal Protestanten und Katholiken, Polen und Deutsche gemeinsam einen Verein, der diese Ideale, die deutsche Kultur und die Erinnerung an ihn selber hochhält – und das konsequent seit 30 Jahren. Gestärkt von der Torte zu diesem Anlass, die die Vorsitzende des Vereins Urszula Mańka feierlich anschnitt, und von einem Imbiss nutzten die Gäste an diesem sommerlich heißen Samstag die Chance, zur Musik der Gruppe „Sonet“ aus Mohrungen mit Tanz das gemeinsame Vergnügen ausklingen zu lassen, und auf weitere 30 Jahre anzustoßen!

Text: Uwe Hahnkamp

Fotos: Uwe Hahnkamp

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