Begegnung unter dem Himmel Kopernikus und Kants
Es war in Osterode, Allenstein, Hohenstein, Sensburg, Lötzen, Wuttrienen – und jetzt kam die Zeit für Heilsberg, erneut, aber an einem neuen Ort. Hält dieser neue Ort es für länger fest?
Das diesjährige Sommerfest der deutschen Minderheit fand am 22. Juni im Amphitheater beim Heilsberger Kulturhaus statt. Das ist ein neuer Ort, geradezu ideal für solch ein Ereignis. Das Amphitheater liegt an der Böschung eines malerischen Tals, an dessen Grund die Alle fließt. Ein Dach bedeckt sowohl die Bühne als auch den Zuschauerraum. Und beim Amphitheater und am Kulturhaus, das ein separates Gebäude ist, gibt es viel Platz für zusätzliche Unternehmungen.
Gäste der Feier waren Mitglieder der deutschen Gesellschaften in der Woiwodschaft Ermland-Masuren, darunter aus den nicht im Verband organisierten in Allenstein und Neidenburg. Auf ihr tauchten auch Landsleute aus Gdingen, Lauenburg, Graudenz und sogar Kandrzin-Cosel! Gastgeber war der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, dessen Vorsitzender Henryk Hoch das Fest eröffnete. In der ersten Reihe des Zuschauerraums saßen Jacek Wiśniowski, der Bürgermeister von Heilsberg, Jarosław Słoma, der Vorsitzende der Kommission für Minderheitenfragen des ermländisch-masurischen Sejmiks, Prof. Teresa Astramowicz-Leyk, auch Abgeordnete der Woiwodschaft, und Dawid Bojarowski, der den Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen in Oppeln repräsentierte. Wie gewöhnlich ließ auch Stephan Grigat, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, das Fest nicht aus. Wie er betonte, war das sein 128. Besuch in seiner alten Heimat. Zum 33. Mal nahm auch Manfred Schukat aus Mecklenburg-Vorpommern am Fest teil.
Die Gäste dankten für die Einladung und wünschten allen ein gelungenes Vergnügen. Jarosław Słoma knüpfte jedoch an die aktuelle Situation in der Ukraine an. Er machte darauf aufmerksam, dass jeder etwas für den Frieden auf der Welt machen könne. Was? In Frieden mit den Nachbarn leben, unabhängig davon, welcher Nationalität sie sind. Er erinnert auch daran, dass im nahen Königsberg im Kopf von Immanuel Kant die Idee eines geeinten Europas entstand. Und das schon vor beinahe 300 Jahren!
Das Fest hat den Standort gewechselt, aber seine Formel hat sich nicht geändert. Es ist weiterhin eine Schau der künstlerischen Errungenschaften der Künstlergruppen der deutschen Minderheit sowie eingeladener Gruppen. Sehen und hören konnte man also die Chöre der deutschen Gesellschaften in Neidenburg, Lötzen und Heilsberg und wie immer die Regionaltanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein. Einen Auftritt bot auch die folkloristische „Perła Warmii“ aus Heilsberg. Besonders herzergreifend für die Zuschauer war der Auftritt ihrer jüngsten Tänzer – der Fünfjährigen. Zum ersten Mal präsentierte sich auf dem Sommerfest eine weitere Folkloregruppe, „Folkownia“ aus Allenstein, deren Leiterin Justyna Zalewska ist, Germanistin von der Schule in Bredinken und vielmalige Teilnehmerin am Adventstreffen der ostpreußischen Jugend in Osterode.
Einen völlig anderen Charakter hatte der Auftritt des Kammerchors der Burg in Osterode unter der Leitung von Joanna Jaskółowska. Der Chor sang einen Strauß populärer Lieder in eigenem Arrangement und zeigte dabei professionelle Kunstfertigkeit. Die Frauen aus der früher bei der Heilsberger Altersuniversität angeschlossenen Tanzgruppe „Czerwone Korale“ bewiesen hingegen, dass nicht nur junge Menschen schön tanzen können. Wie üblich trat auch die Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern auf. Ihr Leiter Friedhelm Schülke hatte sich als Immanuel Kant verkleidet.
Da neben dem Amphitheater viel Platz ist, darunter auch zum Ausruhen, nutzten ihn viele Menschen, um etwas zu essen oder zu trinken und mit Bekannten zu sprechen. Niemand kam jemand anderem in die Quere und die Zeit verging für alle sehr schnell.
Das diesjährige Sommerfest finanzierten das Ministerium für Inneres und Verwaltung, das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig und die Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Henryk Hoch überreichte Wiktor Marek Leyk, dem Beauftragten des Marschalls der Woiwodschaft für Minderheitenfragen, der in Rente gegangen ist, einen Gratulationsbrief mit Danksagungen für seine langjährige Arbeit für die deutsche Minderheit.
