Festival – Unter gemeinsamem Himmel – 2025

Festival – Unter gemeinsamem Himmel – 2025

Unter diesem Himmel ist Platz für alle

Machen wir uns nicht länger zu Feinden. Möge Liebe die ganze Welt bewegen – das sang die Gruppe „Słowiańska dusza” aus Danzig. Dieser Refrain eines ihrer Lieder war die Hauptbotschaft des 13. Festivals der nationalen Minderheiten „Unter einem gemeinsamen Himmel”.

Das Festival fand dieses Jahr am 31. August im Amphitheater in Osterode statt, das malerisch am Drewenz-See gelegen ist. Die Veranstaltung, die im Prinzip die kulturellen und insbesondere musikalischen Errungenschaften der im ehemaligen Ostpreußen lebenden nationalen Minderheiten präsentieren soll, stand dennoch im Zeichen der Politik, da in der Ukraine bereits seit vier Jahren der Krieg dauert, der von einem aggressiven und ungezügelten Russland ausgelöst wurde. Daher war es keine Überraschung, dass Andrzej Farańczuk, der Vorsitzende der Allensteiner Abteilung des Verbands der Ukrainer in Polen, im Publikum Spenden zur Unterstützung der ukrainischen Armee sammelte.

Vom gemeinsamen Himmel über Osterode, in dem Platz für alle Nationalitäten, Glaubensbekenntnisse und Kulte ist, sprach Rafał Dąbrowski, der Bürgermeister der Stadt. Er versicherte zudem, dass das Osteroder Amphitheater das schönste in der gesamten Region ist. 

– Es gibt viele Menschen, die versuchen, uns zu spalten. Lassen wir uns nicht entzweien. Seien wir solidarisch mit unseren Brüdern in der Ukraine, appellierte Aneta Brzyska, die Bevollmächtigte des Marschalls der Woiwodschaft für Fragen der Minderheiten.

Aber es gab noch ein weiteres Motiv des Festivals, an das Aneta Łapińska, die ehemalige Bevollmächtigte des ermländisch-masurischen Woiwoden für Fragen der Minderheiten, erinnerte. Vor genau 45 Jahren unterzeichnete die polnische Regierung eine Vereinbarung mit dem überbetrieblichen Streikkomitee in der Danziger Werft. Diese war der Startschuss für die Gewerkschaft Solidarność und die demokratischen Veränderungen in Polen.

– Dank dieser Veränderungen gewannen die Minderheiten in Polen das volle Recht zur Pflege ihrer eigenen Identität, erinnerte Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und Gastgeber des Festivals.

Wen konnten wir dieses Mal im Osteroder Amphitheater unter dem gemeinsamen Himmel sehen und hören? 

Die deutsche Minderheit repräsentierten der Chor der Neidenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit und ihre Jugendgesangsgruppe. Beide präsentierten traditionelle Heimatlieder. Ähnlich im Charakter war auch der Auftritt des Chors „Warmia“, der aus Mitgliedern der deutschen Gesellschaften in Heilsberg und Bartenstein besteht. Wie üblich sang der Chor zum Ende des Auftritts „Oh, Susanna“, mit dem er das Publikum stets bewegte.Die Gruppe „Saga“ der Bartensteiner deutschen Gesellschaft durfte auf der Bühne ebenfalls nicht fehlen. Ihre Tänzer führten ostpreußische Tänze auf. Wir konnte auch Magdalena Lobert aus Schönbrück hören, die 2014 den Wettbewerb des deutschen Liedes in Osterode gewonnen hatte. Seither hat sie ihr Germanistikstudium an der Universität Warschau abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie und promoviert im Bereich Wortbildung, hat das Singen aber nicht aufgegeben, wie sie beim Festival unter Beweis stellte.

Die ukrainische Minderheit repräsentierte das Ensemble „Wesna“ (Frühling). Die Gruppe besteht hauptsächlich aus Frauen und Kindern – Flüchtlingen aus der Ukraine. Sie zeigten bei mehreren Aufführungen ukrainische Tänze. Und da die Gruppe Trachten trägt, gab sie ein farbenfrohes und lebendiges Bild ab.

Des weiteren gab es auf ukrainischer Seite nur noch Bands oder Sänger. Das waren die Gesangsgruppe „Dwa kolore“ aus Allenstein, in der u.a. Andrzej Farańczuk sang, das Osterode-Allensteiner Trio „ToJa“, die Solistin Lena Hnatiuk aus Osterode und der Solist Władysław Pełych – ein 19-jähriger Flüchtling aus Saporischschja und zur Zeit aus Allenstein.Władysław hat in der Ukraine einen landesweiten Gesangswettbewerb gewonnen und stellte dies auf der Bühne voll und ganz unter Beweis. Er demonstrierte nicht nur seine enormen stimmlichen Fähigkeiten, sondern auch sein Bühnentalent. Er wanderte mit dem Mikrophon durch das Publikum und animierte die Menschen zum Mitsingen.

Sehr viele ukrainische Lieder hatten patriotische Themen.. 

Die Osteroder Folkloregruppe „Ostródzianie“, die im örtlichen Kulturzentrum aktiv ist, vertrat keine Minderheit, sondern demonstrierte statt dessen ihre gute Kenntnis masurischer und ermländischer Lieder.

Die Band „Słowiańska dusza” wiederum repräsentierte die Folklore dreier Nationen: der polnischen, ukrainischen und weißrussischen, da sie Vertreter dieser Nationen in ihrer Besetzung hat. Eine ihrer Sängerinnen ist die junge Jelizawieta Katelnikowa, eine Geflüchtete aus der Ukraine. Jelizawieta hat eine schöne, kraftvolle Stimme, Bühnenvorbereitung und einen starken Charakter. Vor drei Jahren konnte sie kein Polnisch, heute betreibt sie ihr eigenes Gesangsstudio in Danzig. Sie bringt anderen das Singen bei und singt selbst. Und es ist gut, dass sie das tut, im Gegensatz zu vielen anderen.

Die Roma-Minderheit wurde wie üblich von der Band „Hitano“ aus Allenstein vertreten. Die fröhliche, manchmal stimmungsvolle Musik und die farbenfrohen Kleider der drei Sängerinnen begeisterten das Publikum. Bei ihren ersten Festivals drehten sich diese Sängerinnen als kleine Mädchen mit ihren Müttern über die Bühne. Jetzt hatten sie schon eigene Kinder an ihrer Seite, die ebenfalls sangen. Sehen wir sie beim 20. Festival auf der Bühne?

Die Veranstaltung dauerte fast sechs Stunden. Im Amphitheater an der Seepromenade, das 2.500 Zuschauer fassen kann, herrschte viel Bewegung. Die Menschen kamen, hörten zu und gingen wieder. Die Zahl der Teilnehmer konnte also zwischen 800 und sogar 1.000 Personen schwanken.Organisatoren des Festivals waren der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und die Allensteiner Abteilung des Verbands der Ukrainer in Polen. Finanziert wurde es vom Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren.