Danzig ist immer eine Reise wert. Über 20 junge Menschen aus den Reihen der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Ermland-Masuren verbanden bei ihrem Ausflug am 2. September dabei das Touristische mit der Bildung.
„Er hatte kaschubische Vorfahren, wurde in Danzig geboren, schrieb auf Deutsch unter anderem sein großes Werk „Die Blechtrommel“, bekam dafür den Literatur-Nobelpreis und starb 2015“ – das war kurz gefasst das Wissen der meisten Teilnehmer des Ausflugs nach Danzig, den Marta Mularczyk vom Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM) organisiert hatte. Der Bus sammelte die jungen Menschen in Landsberg (Górowo Iławeckie), Heilsberg (Lidzbark Warmiński), Allenstein (Olsztyn) und Osterode (Ostróda) ein, dazu die jüngste Mitfahrerin in Maldeuten (Małdyty) und den Reiseführer Lech Słodownik, aus Elbing.
Sonne, Trubel und viel Wissen in Danzig
Der Sommer meinte es am letzten Wochenende in den Schulferien gut mit den Touristen und Einheimischen in Danzig. Unter strahlend blauem Himmel zwängte sich die junge Gruppe aus Ermland und Masuren durch die Menschenmassen, die dieses Wetter auf die Straßen der Innenstadt gelockt hatte. Trotz des Trubels gelang es Lech Słodownik die Teilnehmer zu erreichen und sie mit den Informationen zur Stadt zu fesseln. Gerade die internationale und multikulturelle Stadt, die Danzig als Hanse- und Hafenstadt, als offene Stadt stets war und heute noch ist, begeisterte die jungen Menschen so wie früher Günter Grass.
Immer wieder gab es auf dem Spaziergang Ecken, in denen das Danzig von Günter Grass zu fühlen war. Das Splittern der großen Fenster der Häuser unter dem Schrei von Oskar Matzerath in der „Blechtrommel“ kann man sich ebenso lebhaft vorstellen wie den Kampf um die Polnische Post. Die Danziger mögen ihren Ehrenbürger ebenfalls: Als er kurz vor seinem Tod seine Zugehörigkeit zu einer Einheit der Waffen-SS zugab, wurde gefordert, er solle die Ehrenbürgerschaft zurückgeben. Daraufhin sprachen sich in einer Abstimmung von Danziger Zeitungen über 80 Prozent der Befragten dafür aus, ihn als Ehrenbürger behalten zu wollen.
Die Westerplatte einen Tag nach dem Gedenken
Ein wichtiger Abschnitt der „Blechtrommel“ ist dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, der Attacke auf die Westerplatte und dem Kampf um die Polnische Post gewidmet. Einen Tag nach den Gedenkfeiern zum 1. September fuhren die jungen Menschen mit dem Schiff durch die Hafen- und Werftanlagen zur Westerplatte. Neben den noch immer hängenden polnischen Fahnen und unter dem dortigen, mit Grabkerzen und Blumen geschmückten Denkmal konzentrierten sie sich auf diesen wenig friedlichen Teil der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte.
Mehr Eindruck machten auf sie jedoch der schlicht gehaltene Friedhof für die Verteidiger der Westerplatte und die Schrift „Nie wieder Krieg“ zu Füßen des Hügels, auf dem das Denkmal steht. Dafür hat sich auch Günter Grass eingesetzt, gerade die deutsch-polnische Versöhnung war ein wichtiger Teil seines Lebens. So nahmen die Teilnehmer des Ausflugs neben vielen schönen Eindrücken noch die Aufforderung mit nach Hause, diesen Einsatz fortzusetzen. Er ist leider nötiger denn je.
Organisatoren und Teilnehmer danken dem Bundesministerium für Inneres und Heimat der Bundesrepublik für die finanzielle Förderung über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.
Text und Fotos: Uwe Hahnkamp
