Grüße aus der Heimat, Botschaft von Kant
Anklam ist eine kleine Stadt in Nordostdeutschland im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, im Kreis Greifswald, an der Peene. Auf der Welt ist sie dafür bekannt, dass hier Otto Lilienthal, der Pionier der deutschen Luftfahrt, geboren wurde und aufwuchs. Aber die Ostpreußen lernten sie vor kurzem dank der Treffen kennen.
Es war das 27. Treffen der ehemaligen Einwohner Ostpreußens, aber in Anklam das zweite, am 11. Mai. Die vorherigen fanden in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg statt. Das Treffen fand in der städtischen Sporthalle statt. Ihre Wände schmückten beinahe 100 bunte Flaggen ostpreußischer Städte und Dörfer. Unter den über 750 Personen, die daran teilnahmen, waren Kulturgruppen aus Polen und Litauen. Ein Autobus brachte die Chöre „Stimme der Heimat“ aus Lötzen und „Warmia“ aus Heilsberg sowie die Jugendtanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein. Ein zweiter kam aus Memel mit dem Chor des deutsch-polnischen Hermann-Sudermann-Gymnasiums. Der befreundete russische Chor aus Gumbinnen schickte nur einen Film mit Grüßen. Ihm wurde das Überqueren der polnisch-russischen Grenze nicht gestattet.
Dem Treffen ging ein morgendlicher Gottesdienst voraus, den Pastor Filip Cyryl, Prinz von Preußen und ältester Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, zelebrierte. Die Gäste begrüßten Jörg Hasselmann, der stellvertretende Landrat des Kreises Vorpommern-Greifswald, Barbara Rużewicz von der Deutschen Gesellschaft in Lötzen und Arnold Piklaps vom Verband der Deutschen in Memel.
– Während dieses Treffens gab es einige überraschende, aber angenehme Momente. Vor der Bühne posierte ein Plastikelch in natürliche Größe – das Symbol Ostpreußens. Aus Anlass seines 300. Geburtstags erschien Immanuel Kant, der berühmte Königsberger Philosoph, in historischer Tracht mit der Botschaft, in Frieden zu leben. Ihn verkörperte Friedhelm Schülke, einer der Mitorganisatoren der Veranstaltung. Auf der Feier sammelten zwei Mitarbeiter des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge aus Schwerin für ihn beinahe 800 Euro Spenden. Alle Teilnehmer erhielten auch ein Gläschen „Trakehnerblut“, also traditionellen Likör, erinnert sich Waldemar Albowicz von der Gesellschaft der deutschen Minderheit in Lötzen.
Das Treffen wurde vom sehr professionellen Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern musikalisch umrahmt. Es trat auch die mecklenburgisch-pommersche Folkloregruppe Ribnitz-Damgarten mit einem Feuerwerk von Volkstänzen, Trachten und Farben auf. Die Kulturgruppen aus Ostpreußen brachten musikalische Grüße mit nach Anklam. Der Chor des Gymnasiums in Memel und seine Lehrerin Asta inspirierten sich mit den Liedern „Sag mir, wo die Blumen sind“, „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ und „Ännchen von Tharau“. Ein Augenschmaus war „Saga“ mit seinen farbigen und traditionellen Trachten. Der Chor aus Lötzen hatte einen deutsch-polnischen Liederkranz vorbereitet, darunter das Lieblingslied von Papst Johannes Paul II. „Licze na Ciebie, Ojcze“. Einige polnische Werke kannte und sang das Publikum. Höhepunkt war der Auftritt des Chors „Warmia“. Mit kräftigen, stimmungsvollen Liedern brachte er den Saal so sehr zum Kochen, dass sich ein langer Umzug bildete. Die Teilnehmer beendeten das Treffen mit dem gemeinsamen Singen der Hymne Ostpreußens.
Organisator des Treffens war die Landesgruppe der Landsmannschaft Ostpreußen aus Mecklenburg-Vorpommern mit Manfred Schukat an der Spitze, der von Friedhelm Schülke unterstützt wurde.
