Anklam – 26. Ostpreußentreffen

Anklam – 26. Ostpreußentreffen

Gabrysia tanzte kalten Blutes 

Sie kommen zu uns, also geziemt es sich, dass wir auch zu ihnen fahren. Und das nicht mit leeren Händen. Was könnte man ihnen als Geschenk bringen? Am besten ein Stück der alten Heimat, und am besten in einer jungen Ausgabe. 

Jedes Jahr kommt auf das in der alten Heimat organisierte Sommerfest eine vielköpfige Delegation der Landsleute, die heute in Mecklenburg-Vorpommern wohnen. Sie vereinen Manfred Schukat und Friedhelm Schülke. Sie organisieren auch die jährlichen Treffen der ehemaligen Einwohner von Ostpreußen, die in Mecklenburg-Vorpommern wohnen. Das letzte, 26. Treffen fand am 16. September in Anklam statt. An ihm nahmen etwa 700 Personen teil, darunter eine Delegation aus der alten Heimat. darunter war wiederum auch die Regionaltanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein. Es war nicht ihr erster Auftritt bei diesen Treffen, aber jedes Mal zeigt „Saga“ ein anderes Programm. In diesem Jahr gab sie sogar zwei Auftritte: einen längeren traditionellen, dessen Choreographie die Trainerin Dorota Cieklińska vorbereitet hatte. Es setzte sich aus ostpreußischen Tänzen zusammen. Den zweiten kürzeren hatte Karolina Mandywel, eine Tänzerin von „Saga“ vorbereitet. Das war ein Hip-Hop. Beide Auftritte gefielen dem Publikum, obwohl sie extrem unterschiedlich waren, und es sparte nicht an Applaus. Zufrieden mit dem Auftritt ihrer Schützlinge ist auch Danuta Niewęgłowska, die Leiterin der Gruppe. Warum? 

– Weil beinahe die gesamte Besetzung von „Saga“ gefahren ist – 14 von 16 Personen. Weil sie sehr gut getanzt haben, obwohl es zum großen Teil neue Tänzer sind, die nicht einmal ein ganzes Jahr trainieren. 

Die Chefin ist am zufriedensten mit der Haltung von Gabrysia. Sie ist eine neue Tänzerin. Beim Auftritt fiel ihr ein Schuh vom Fuß. Gabrysia tanzte kalten Blutes mit einem Schuh bis zum Ende. Sie ließ sich nichts anmerken, und ihre tänzerische Haltung war vorbildlich. 

– Ich nehme an, das kaum jemand bemerkt hat, dass Gabrysia nur einen Schuh hatte, lobt die Leiterin das Mädchen. 

Im Verlauf dieses Ausflugs wurden die neuen Tänzer von den älteren „getauft“. Sie mussten auf Fragen zur Geschichte von „Saga“ antworten und mit geschlossenen Augen einen Hindernisparcours bewältigen. Für falsche Antworten mussten sie einen kleinen Löffel eines fürchterlich schmeckenden Präparats aus Salz, Zucker, Pfeffer und anderen Gewürzen essen.