Solange der ukrainische Himmel nicht sicher ist, ist auch unser gemeinsamer Himmel nicht sicher, betonten die Redner bei der Eröffnung des Allensteiner Festivals der nationalen Minderheiten „Unter einem gemeinsamen Himmel“.
Das Festival „Unter einem gemeinsamen Himmel“, das am 27. August (wie jedes zweite Jahr) zum 12. Mal in Allenstein stattfand, ist eine Schau der Leistungen der Solisten und Gesangs- und Tanzgruppen der nationalen Minderheiten, die in der Woiwodschaft Ermland-Masuren leben, der deutschen, ukrainischen und die der Roma. In diesem Jahr jedoch gewann es eine höhere Bedeutung: es wurde zu einer Manifestation der Unterstützung für die Ukraine, die ihre Unabhängigkeit gegen die Aggression Russlands verteidigt.
– Ich höre oft, dass wir in heutigen Zeiten – in Zeiten des Kriegs in der Ukraine, wenn Menschen sterben, keine kulturellen Veranstaltungen machen sollen. Aber wir stellen fest, dass das Loslassen der Kultur das Loslassen der Nation ist. Und darum geht es dem russischen Angreifer, erklärte die Notwendigkeit des Organisierens des Festivals Stefan Migus, der Vorsitzende der Allensteiner Abteilung des Verbands der Ukrainer in Polen, und Mitorganisator der Veranstaltung. Hauptorganisator war der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren.
Auf dem Festival anwesend war Ołeksandr Marcyniw, der Vizekonsul der Ukraine in Danzig. Vielmals dankte er der polnischen Gesellschaft für die Hilfe für die Ukrainer.
Danach begrüßte die Gäste Wiktor Marek Leyk, der Bevollmächtigte des Marschalls der Woiwodschaft für Fragen der Minderheiten, und merkte treffend an, dass Gesellschaft und Nation Menschen sind, die miteinander zusammenarbeiten wollen, und nicht die, die die Regierungen benennen.
Die Fortsetzung der Hilfe für die Ukrainer versprach im Namen der Selbstverwaltung und der Einwohner Dr. hab. Teresa Astramowicz-Leyk, die Vorsitzende der Kommission für Fragen der internationalen Zusammenarbeit des ermländisch-masurischen Sejmiks.
Wie man sich unschwer denken kann, waren die Auftritte der ukrainischen Seite – expressiv, farbenfroh, ungewöhnlich melodisch – im Gegensatz zu den Vorjahren gesättigt entweder von patriotischen Motiven oder Volksmotiven. Unterhaltung gab es in ihnen nicht. Doch wer trat auf und was hat er präsentiert?
Das Festival eröffnete das Orchester des Wolyner Dramatischen Theaters in Luzk, jeder Zoll professionell. Das Orchester spielte in voller Besetzung, aber auf der Bühne erschienen auch seine Solisten. Es sang auch Maria Prytuła, eine junge, sehr talentierte Künstlerin aus Saporischschja, die das erste Mal auf dem Sommerfest der deutschen Minderheit im Jahr 2022 vor unserem Publikum erschien. Ein großes Wort der Anerkennung gebührt der Tanzgruppe „Wesna“ (Frühling). Sie entstand vor einem Jahr. Sie wird gebildet von weiblichen ukrainischen Flüchtlingen, die in Allenstein wohnen. Sie tanzten schön und mit volkstümlicher Anmut ukrainische Volkstänze, und es ist schwer zu glauben, dass das Amateurinnen sind. Darüber hinaus hat „Wesna“ noch eine Kindergruppe, die sich aus den Kindern dieser Frauen zusammensetzt. Obwohl noch jung, sogar gerade fünfjährig, beeindruckten sie auf der Bühne. Die deutsche Minderheit repräsentierten die Chöre „Masurenklang“ aus Peitschendorf, kultureller Botschafter der deutschen Minderheit in Sensburg und des Kulturhauses in Peitschendorf, „Stimme der Heimat“ aus Lötzen und „Warmia“ aus Heilsberg. Ein großer Teil des Repertoires, das sie präsentierten, waren Heimatmelodien und bekannte Schlager von vor langer Zeit. Auf bewährte Lieder setzte auch die Solistin Monika Krzenzek von der Gesellschaft in Ortelsburg.
Klasse zeigte wie gewöhnlich die Regionaltanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein, aber ihre Leiterin Danuta Niewęgłowska war nicht zufrieden. Warum? Das weiß niemand, denn die Kinder tanzten schön und mit großem Engagement. Und das, obwohl diese Besetzung erst seit Herbst letzten Jahres trainiert. Am Ende spielt die Allensteiner Roma-Gruppe „Hitano“. Das sind Profis, die schon beinahe 40 Jahre aktiv sind. Sie wissen, wie man ein Publikum in Bewegung bringt.
Gast des Festivals war außer dem Orchester aus Luzk die Gruppe „Gniewkowianie“ aus Argenau (Gniewkowo) in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern im Kreis Hohensalza. Das ist eine große Gruppe, in reichen regionalen Trachten, Erwachsene und Kinder. Sie gab eine Mini-Konzert kujawischer Lieder.
Das Festival war kostenlos, und das Amphitheater die ganze Zeit zu drei Vierteln gefüllt, obwohl die Veranstaltung vier Stunden dauerte. Was meint zu dem allem das Publikum? Hat es ihm gefallen?
Tadeusz Pszenny aus Allenstein gehört nicht zur deutschen, ukrainischen oder Roma-Minderheit. Er ist Pole, saß das ganze Konzert in der ersten Reihe und übertrug über das Telefon das Festival live an seine Frau Halina, die in Bonn arbeitet.
– Wir lieben Musik, und da wir nicht zusammen sein können, sende ich ihr das. Damit auch sie sich freut, sagt er.
Die Veranstaltung wurde durch einen Zuschuss des Ministeriums für Inneres und Verwaltung und aus Mitteln der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Warmińsko-Mazurskie kofinanziert.
