VdGEM – Allenstein – Lara – neue IfA-Kulturmanagerin

VdGEM – Allenstein – Lara – neue IfA-Kulturmanagerin

Ich wollte dieses Land kennenlernen

Patrik Valouch, Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen (IfA) aus Stuttgart, hat seine Arbeit in unserer Region Ende August beendet. Wir danken dir, Patrik, für deine Arbeit und die gemeinsamen Momente. Zum September wurde Patrik von Lara-Alexa Nagel abgelöst. Wir sprechen mit ihr über ihre Aufgaben und Pläne.

– Warum hast du dich gerade für die Stelle als Kulturmanagerin in unserer Region beworben?

– Weil ich bereits eine Verbindung zu Polen hatte. Während meines Studiums habe ich im Rahmen des Erasmus-Programms an der Universität Warschau studiert. Damals habe ich Polen kennengelernt und viele interessante Menschen getroffen. Mit einigen von ihnen bin ich bis heute in Kontakt, weil wir eine schwierige Zeit gemeinsam erlebt haben. Es war die Zeit der russischen Vollinvasion und wir haben gemeinsam Hilfe für Geflüchtete organisiert. Während meines Aufenthalts habe ich Polnisch gelernt und möchte das gern fortsetzen.

Es gab aber noch einen zweiten Grund. Meine Großmutter stammt aus Preußisch Holland. Als sie 12 Jahre alt war, musste sie ihre Heimat verlassen. Dieses Trauma hat sie ihr Leben lang begleitet und sie hat viel über die Flucht und die Nachkriegsjahre erzählt. Die Erfahrungen während des Krieges und negative Haltungen gegenüber Polen aus ihrer Jugend beeinflussten ihre Einstellung zu dem Ort. Für mich war es wichtig, Deutsche, die geblieben sind, und Polen, die oft eigene Vertreibungsgeschichten haben, kennenzulernen. 

– Was hast du studiert und wo?

– Ich habe bis 2024 im Master Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin studiert. Ich interessiere mich für die Geschichte des 20. Jahrhunderts und dafür, wie Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg unser Zusammenleben heute beeinflussen. Ich arbeite gern mit Jugendlichen, weil sie immer neue Ideen haben. Letztlich inspiriert es mich auch immer wieder, verschiedenen Menschen mit ihren Geschichten zu begegnen, und ich nehme es als Bereicherung für mein eigenes Leben wahr.

– Ist die Arbeit als IfA-Kulturmanagerin deine erste berufliche Tätigkeit?

– Nein. Zuvor habe ich bereits ein Volontariat bei der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) absolviert. Als IfA-Kulturmanagerin freue ich mich darauf, meine Erfahrungen in einem neuen, zugleich eng verbundenen Kontext einzubringen. Auch das IfA verbindet internationalen Kulturaustausch mit der Stärkung von Zivilgesellschaften und unterstützt deutsche Minderheiten dabei, als Brückenbauer zwischen Gesellschaften zu wirken. Ich komme also mit viel Motivation und Ideen, um die Kultur-, Jugend- und Bildungsarbeit der deutschen Minderheit zu unterstützen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

– Welche Aufgaben erwarten dich hier?

– Ich möchte zunächst natürlich einige Projekte der letzten Entsandten fortführen, da ich es wichtig finde, gute Strukturen zu erhalten und weiterzudenken. Gleichzeitig möchte ich durch eigene Projekte im Bereich Medien und Lokalgeschichte einen Austausch zwischen Generationen anregen, der die Verbandsstrukturen in der Region stärken kann. Außerdem möchte ich durch Austauschprojekte oder eine Kinowoche Begegnung mit deutscher Gegenwart und Geschichte ermöglichen. Dies sind erste Ideen, ich bin aber noch am Anfang und freue mich sehr über Anregungen, mögliche Anschlusspunkte und Kooperationen!

– Jugendliche sind heute nicht unbedingt besonders motiviert, sich gesellschaftlich zu engagieren und mit anderen zusammenzuarbeiten. Hast du eine Idee, wie du sie dafür gewinnen kannst?

– Bei meinen früheren Tätigkeiten habe ich oft Gegenteiliges erlebt. Jugendliche haben Unmengen eigener Fragen, eine eigene Geschichte sowie Wünsche und Sorgen bezüglich ihrer Zukunft, und wollen Möglichkeiten finden, sich zu engagieren und zu wachsen. Ich denke, man muss vor allem nachfragen, welche Themen wichtig sind und beweisen, dass Mitwirkung willkommen ist. Interesse am Smartphone ist so auch Türöffner und Chance, da Projektergebnisse dokumentiert werden und eine größere Sichtbarkeit entstehen kann. Für mögliche Kooperationen habe ich neben dem VdGEM bereits die AGDM, die „Allensteiner Welle“ und die Stiftung „Borussia“ kennenlernen können. Auf Einladung des Generalkonsuls Karl-Matthias Klause war ich zudem bei der Feier des Tages der Deutschen Einheit in Danzig. Ich freue mich darauf, die geknüpften Kontakte weiter auszubauen und weitere Organisationen der deutschen Minderheit zu besuchen.

– Wie lange wirst du bei uns bleiben?

– Der Vertrag mit dem IfA läuft zunächst für ein Jahr. Ich würde gerne länger bleiben, um zu sehen, welche Ergebnisse meine Arbeit bringt und wie sich die begonnenen Projekte entwickeln.

– Was machst du gerne in deiner Freizeit?

– In Schleswig-Holstein, woher ich komme, und in Berlin war ich Mitglied in einem Schwimmverein. Aktuell interessiere ich mich für Klavier, Rudern auf den Seen und … Polnisch natürlich. Hinweise zu anfängerfreundlichen Rudervereinen nehme ich sehr gern entgegen!

– Wie kann man dich kontaktieren?

– Telefonisch. Meine Telefonnummer lautet 89 523 56 80. Man kann mich aber auch per E-Mail erreichen: lara-alexa.nagel@ifa.de