Frauen schreiben eher nicht die Geschichte Preußens, obwohl einige von ihnen der Hauptströmung der Ereignisse sehr nahe waren, wie zum Beispiel die preußischen Königinnen. Ihnen widmete Dr. Joanna Szkolnicka ihren Vortrag und die ihn begleitende Werkstatt.
Dr. Joanna Szkolnicka hielt am 25. Juli im Sitz der Elbinger Gesellschaft der deutschen Minderheit einen Vortrag über preußische Königinnen. Die Mitglieder der Gesellschaft, vor allem die weiblichen, sind besonders an der Geschichte interessiert. Über die Rolle von Frauen in der Geschichte gibt es wenig Informationen. Nun fügt es sich aber für die Elbingerinnen glücklicherweise so, dass Dr. Szkolnicka auf Forschungen über die Rolle der Frauen in der Geschichte spezialisiert ist. Zum Aufwärmen wurden die Zuhörer gebeten, eine „mentale Landkarte“ zu erstellen – freie Assoziationen zum Stichwort „Preußen“ zu sammeln, danach äußerten sie ihre Vermutungen zu preußischen Königinnen – ihre Herkunft, ihr religiöses Bekenntnis, wünschenswerte Eigenschaften oder Vornamen. Bereits auf dieser Etappe gelang es, einen „Katalog“ von Vornamen aufzustellen sowie zum Schluss zu gelangen, das für fast alle Königinnen Preußens Deutsch die Muttersprache war, weil sie – mit einer Ausnahme – aus dem Gebiet Deutschlands stammten, das damals – bis 1871 – eine Konglomerat souveräner Staaten darstellte. In ihrer Präsentation stellte Dr. Szkolnicka die Porträts von 10 Königinnen vor. Die erste war Sophie Charlotte von Hannover, die Ehefrau des Kurfürsten von Brandenburg Friedrich III., der sich im Jahr 1701 als Friedrich I. zum „König in Preußen“ krönte. Gemeinsam mit ihm erhielt natürlich auch Sophie Charlotte eine Krone. Sie war berühmt für ihre Bildung, die Liebe zu Wissenschaft und Kunst, und besonders für die Freundschaft mit dem Philosophen Leibniz. Die letzte war Auguste Viktoria, die letzte Königin Preußens und gleichzeitig Kaiserin von Deutschland. Sie starb 1921 im Exil in den Niederlanden. Alle Frauen der Wilhelms und Friedrichs Frauen schreiben eher nicht die Geschichte Preußens, obwohl einige von ihnen der Hauptströmung der Ereignisse sehr nahe waren, wie zum Beispiel die preußischen Königinnen. Ihnen widmete Dr. Joanna Szkolnicka ihren Vortrag und die ihn begleitende Werkstatt. GESELLSCHAFTEN Die bekannteste der preußischen Königinnen ist die von einem Kult umgebene Luise – die „preußische Madonna“ starb mit 34 Jahren, hatte 9 Kinder und war gleichzeitig „Mutter des Landes“ in der für Preußen schweren Zeit der napoleonischen Kriege. Sie war gleichzeitig berühmt für ihren Liebreiz und ihre Eleganz. Ihren mehr oder weniger deutlichen Stempel in der Geschichte des „männlichen“ Preußen (männlich, da im allgemeinen in bewaffnete Konflikte vertieft) hinterließ die Mehrheit der Königinnen. Nach ihren Vornamen wurden Paläste, Straßen und Kirchen benannt, und sogar … Bergwerke, Order und Rosen. Das Leben der Königinnen war jedoch im Allgemeinen nicht auf Rosen gebettet, und als Schlüssel für den Erfolg erwiesen sich oft weder Liebreiz noch Vorzüge des Charakters und des Geistes, wovon sich beispielsweise die Nachfolgerin der berühmten Sophie Charlotte, Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin überzeugen konnte. Obwohl sie den Beinamen „mecklenburgische Venus“ trug, errang sie weder das Herz von Friedrich I. noch Popularität am Hofe. Garant der Liebe des Mannes und der Position am Hofe war nicht einmal außergewöhnlich zahlreiche Nachkommenschaft, was schmerzhaft Friederike Luise von Hessen-Darmstadt erfuhr, Mutter von 7 Kindern und Frau des „legalen“ Polygamisten Friedrich Wilhelm II. Unruheherde konnten sowohl ein starker Charakter der Königin werden, übermäßige Unabhängigkeit und Einmischung in die Politik, wie im Fall von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach – einer gebildeten und liberalen „Pazifistin“ und Opponentin von Bismarck, wie auch religiöse Gesinnungen. Dies erfuhr Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin – eine leidenschaftliche Protestantin, die sich erfolglos bemühte, ihren „gottlosen“ Ehemann zu bekehren. Es geschah aber auch so, dass die Religion kein Hindernis für die Erlangung der Anerkennung der Umgebung [durch eine Königin] war, und auch nicht einmal, dass sie keinen Thronfolger gebar. Beweis dafür ist der Lebenslauf der „katholischen Prinzessin“ Elisabeth Ludovika von Bayern, die wegen ihrer Intelligenz und ihres Taktes nicht nur von ihrem Mann Friedrich Wilhelm IV., sondern auch ihrem Schwager und künftigen König Wilhelm I. geschätzt wurde. Nach dem Vortrag organisierte Dr. Szkolnicka ein Quiz für die Zuhörer. Sie mussten z.B. raten, warum die Kaiserin Auguste Viktoria „Kirchenjuste“ genannt wurde, oder was Friedrich II. seiner Frau Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern sagte, als er sie 1763 nach beinahe sieben Jahren, vom Siebenjährigen Krieg verursachter Trennung das erste Mal erblickte. – Wir sind voller Bewunderung für Dr. Szkolnicka. Sie hat uns viele interessante Geschichten erzählt. Und wie sie es schafft, sich an die Namen aller preußischen Könige zu erinnern, die entweder Friedrich Wilhelm oder Wilhelm oder Friedrich hießen – staunt Róża Kańkowska, die Vorsitzende der Gesellschaft.
Dr. Joanna Szkolnicka ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für neueste Geschichte im Archäologisch-Historischen Museum in Elbing. Im Jahr 2017 verteidigte sie ihre Doktorarbeit, die den kulturellen und wissenschaftlichen Gesellschaften in Elbing in den Jahren 1772-1945 gewidmet war, und die sie mit geringen Änderungen und Ergänzungen danach in Form eines Buchs herausgab. Sie nimmt oft an den Aktivitäten der Elbinger Gesellschaft der deutschen Minderheit teil.
