Heilsberg – 30. Bethlehem der Nationen

Heilsberg – 30. Bethlehem der Nationen

Kinder des Krieges und über Kinder es Krieges

Hintergrund für die Auftritte der jungen Künstler bei jedem Bethlehem der Nationen ist immer der Zweite Weltkrieg als Ursache der nationalen Vermischung in Heilsberg und Umgebung. Leider ist bereits zum dritten Mal auch der aktuell in der Ukraine tobende Krieg Hintergrund dafür. 

Der Adventsabend „Bethlehem der Nationen“ fand am 15. Dezember statt. Ihm ging wie gewöhnlich eine Werkstatt voraus, an der etwa 50 junge Menschen aus den deutschen Gesellschaften in Heilsberg und Bartenstein sowie aus den Grundschulen in Seeburg, wo Deutsch als Sprache der nationalen Minderheit unterrichtet wird, in Kanditten, wo die Minderheitensprache Ukrainisch ist, und aus vom Schulverband mit Ukrainisch als Unterrichtssprache in Landsberg teilnehmen. Bei dieser Werkstatt lernten die Jugendlichen ihre Rollen in der Aufführung und Lieder, und schufen Postkarten und Weihnachtsschmuck. 

Das Drehbuch für die Feier ist immer ähnlich. Es schreibt seit Jahren Ewa Huss-Nowosielska. In diesem Jahr spielt sich die Handlung rund um das Waisenhaus ab. Die jungen Schauspieler zeigten in einigen Szenen Kindern, die als Folge von Kriegshandlungen im Waisenhaus in Heilsberg landeten. Diese Ursachen sind Verwaisung und Hunger. Bis vor kurzem war der Hintergrund für das Bethlehem der Nationen der Zweite Weltkrieg, aber inzwischen nicht nur er. Auf der Bühne trat nämlich erneut Marko Denysowicz aus der Gegend von Cherson auf. Marko wohnt seit beinahe drei Jahren in Landsberg bei seiner Großmutter und lernt in der dortigen ukrainischen Schule. Sein Vater kämpft mit den Russen, und seine Mutter ist ständig zwischen ihm und ihrem Mann unterwegs. Marko sang solo das schöne und ergreifende Lied „Danke Dir, Papa“ („Dziękuję ci tato“). Nicht nur einer Person im Zuschauerraum standen die Tränen in den Augen. So also überlagert den noch nicht gelinderten Schmerz nach dem einen Krieg bereits der nächste. Und die unschuldigen Opfer beider Konflikte sind wie immer die Kinder.  

Außerdem gab zur Auflockerung der Atmosphäre das Jugendtheater „Spiegel“ aus Heilsberg eine kurze Vorstellung. Die Handlung spielt in einer Bibliothek. Die Helden der populärsten Märchen – Rotkäppchen, Däumelinchen, Dornröschen – beschweren sich darin, dass sie aus ihren Erzählungen gefallen sind und nicht mehr dorthin zurückfinden. Und warum? Weil die Jugendlichen heute keine Bücher mehr lesen. 

Wie gewöhnlich waren auch Josef und Maria dabei, um zu beobachten, was sich in Heilsberg tut. Diesmal verkörperten sie Gabrysia Wielgo und zum zweiten Mal Grzegorz Stec aus Landsberg. Die Vorstellung war durchflochten von Tänzen der Tanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein und Liedern des Chors der Gesellschaft „Warmia“ sowie der Jugendlichen aus der ukrainischen Schule in Landsberg. 

Festes Element des Abends sind selbstverständlich deutsche, ukrainische und polnische Weihnachtslieder. Sie sangen die jungen Künstler und die Zuschauer, die sich aus Mitgliedern der deutschen und der ukrainischen nationalen Minderheit zusammensetzten. Und „Stille Nacht“ sangen wie immer alle in drei Sprachen. Es gab auch eine Überraschung. Beata Błażewicz-Holzhay, Mitglied der deutschen Gesellschaft „Warmia“ in Heilsberg sang am Ende den bekannten Hit von Helene Fischer „Die Glocken von Rom“.

Die Teilnehmer des Treffens wurden mit Kaffee, Süßigkeiten und Glühwein bewirtet. Sie bekamen auch Weihnachtskarten und Christbaumkugeln, die von den Jugendlichen hergestellt worden waren. Es kam auch der Nikolaus mit einem Sack voller Geschenke, die er an die Kinder verteilte. 

Wünsche für ruhige Feiertage und Frieden in der Ukraine wünschten den Versammelten die Abgeordnete Elżbieta Gelert und Jacek Wiśniowski, der Bürgermeister von Heilsberg. 

Das Adventstreffen „Bethlehem der Nationen“ organisierte die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Warmia“ in Heilsberg. Die Jugendlichen auf die Auftritte bereiteten Ewa Huss-Nowosielska, Agnieszka Krzywiel, Emilia Święconek, Danuta Niewęgłowska, Sylwia Matczak sowie Nadia und Orest Ortyński vor. Für sie war es das Jubiläums-, nämlich das 20. Bethlehem.

Das Adventstreffen „Bethlehem der Nationen“ finanzierten das polnische Ministerium für Inneres und Verwaltung, der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen sowie weitere Sponsoren.