Heilsberg – 29. Bethlehem der Nationen

Heilsberg – 29. Bethlehem der Nationen

Der Krieg von neuem nahe

Bis zum Vorjahr bezogen sich alle Treffen „Bethlehem der Nationen“ auf den Zweiten Weltkrieg, die Ursache für die Mischung der Bevölkerung in Heilsberg. Seit letztem Jahr ist dieser Grund leider nach wie vor aktuell, weiterhin nah und weiterhin lebendig auf der Bühne und im Leben.

Der Adventabend „Bethlehem der Nationen“ fand am 10. Dezember statt. Vorangegangen war ihm wie gewöhnlich eine Werkstatt, an der 50 junge Menschen aus den deutschen Gesellschaften in Heilsberg und Bartenstein sowie aus den Grundschulen in Seeburg, in der Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet wird, in Kanditten, wo die Minderheitensprache Ukrainisch ist, sowie vom Schulverband mit Ukrainisch als Unterrichtssprache in Landsberg teilnahmen. Auf dieser Werkstatt lernten die Jugendlichen ihrer Rollen in der Aufführung sowie Lieder und bereiteten Postkarten und Weihnachtsschmuck vor.
Der Ablauf der Feier ist immer ähnlich. Als erstes gibt es eine Vorstellung. Seit einigen Jahren gibt sie das Jugendtheater „Spiegel“ aus Heilsberg. Die neueste trug den Titel „Heiligabend am Zentralbahnhof“. Danach gab es eine Inszenierung, die von der Teilnehmern der Werkstatt vorbereitet worden war. Sie knüpfte in gewisser Weise an die Vorstellung des Theaters „Spiegel“ an. Einige Personen, darunter auch Jugendliche, die an den Weihnachtstagen wegfuhren, warteten auf einem nicht näher beschriebenen Flughafen auf ihre verspäteten Flugzeuge. Während der Gespräche sowohl auf dem Bahnhof als auch auf dem Flughafen erfahren die Helden beider Stücke, wie viele der Weihnachtsbräuche aus Deutschland stammen.

Wie gewöhnlich gibt es auch Joseph und Maria, die sich ansehen, was in Heilsberg passiert. Diesmal verkörperten sie die jüngsten Schauspieler – Marcelina Labok aus Kanditten und Grzegorz Stec aus Landsberg. Die Vorstellung ist durchflochten von Tänzen der Tanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein und Liedern des Chors der Gesellschaft „Warmia“ sowie der Jugendlichen aus der ukrainischen Schule in Landsberg.

Ein fester Bestandteil des Abends sind selbstverständlich deutsche und ukrainische sowie polnische Weihnachtslieder. Diese singen die jungen Künstler und das Publikum aus Mitgliedern der deutschen und der ukrainischen nationalen Minderheit zusammen.

Auf dem 29. Bethlehem der Nationen trat wieder Marko Denysowicz aus der Gegend um Cherson auf. Marko wohnt seit letztem Frühling in Landsberg bei seiner Großmutter und lernt in der dortigen ukrainischen Schule. Sein Vater kämpft im Krieg gegen die Russen und die Mutter ist die ganze Zeit unterwegs zwischen ihm und ihrem Mann. Marko sang solo ein Gebet für die Ukraine und ihre Helden. Er sang schön. Nicht wenige Zuschauer hatten Tränen in den Augen. Auch der gleichaltrige Grzegorz Stec, der von Zeit zu Zeit die Rolle des Heiligen Joseph verließ, erwies sich als ein Talent auf der Bühne.

Die Teilnehmer des Treffens wurden mit Kaffee, Süßigkeiten und Glühwein bewirtet, sie erhielten auch Weihnachtskarten und Christbaumkugeln, die die Jugendlichen hergestellt hatten. Aber nicht umsonst. Im Austausch mussten sie aus farbigen Papierstreifen eine Kette für den Weihnachtsbaum kleben. Jeder Tisch hatte Papier in den Farben der deutschen, polnischen und ukrainischen Flagge. Diese Nationalitätenkette hängten sie zum Schluss gemeinsam an den Christbaum. Danach setzte sich der Nikolaus darunter und verteilte Geschenke an die Kinder.

Ruhige Feiertage und Frieden für die Ukraine wünschten den Versammelten Dorota Michalak, die Vorsitzende des Heilsberger Stadtrats, Jacek Wiśniowski, der Bürgermeister von Heilsberg, Jarosław Kogut, der Vizelandrat des Kreises Heilsberg, und Tomasz Kołodziejczyk, der stellvertretende Gemeindevorsteher der Gemeinde Heilsberg.

Die Jugendlichen bereiteten auf die Auftritte Ewa Huss-Nowosielska, Agnieszka Krzywiel, Emilia Święconek, Danuta Niewęgłowska, Sylwia Matczak sowie Nadia und Orest Ortyński vor.

Das Adventstreffen „Bethlehem der Nationen“ finanzierten das polnische Ministerium für Inneres und Verwaltung, der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen sowie die Stiftung für die Entwicklung Schlesiens.