Sommerfest 2019

Sommerfest 2019

Welches Lied bewegte die Menschen auf dem 28. Sommerfest im Heilsberger städtischen Amphitheater am meisten? Das russische Volkslied „Kalinka“. Daran wäre nichts Besonders, wenn es nicht ein deutsches Fest gewesen wäre. 

Das achtundzwanzigste Sommerfest der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren fand am 15. Juni im Heilsberger Amphitheater statt. Es ist schwierig, sich einen besseren Platz dafür vorzustellen. Das Amphitheater am Fuße der Burg wurde im August letzten Jahres in Betrieb genommen und glänzt noch vor Neuheit. Die Bühne ist von der Straße aus zu sehen, und man geht direkt vom Gehweg hinein, während der ganzen Veranstaltung gingen Menschen hindurch und es war schwer zu erkennen, wer Teilnehmer des Festes ist und wer nur ein Passant. – Das Fest hat zwei Ziele: unseren Landsleuten zu ermöglichen, sich zu treffen, und ihnen zu zeigen, was in unserer Tätigkeit das Beste und Wichtigste ist, nämlich unsere Kultur und Sprache. Wenn sich zu ihm noch andere Einwohner der Stadt dazugesellen, kann man sich darüber nur freuen, versichert Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, der Organisator des Festes. Auf dem Fest traten wie gewöhnlich also die Gruppen und Chöre auf, die die deutschen Gesellschaften repräsentieren: aus Neidenburg, Lötzen, der Chor „Masurenklang“ aus Peitschendorf und der Chor „Warmia“ aus Heilsberg. Es sangen auch unsere Jugendlichen – die Gesangsgruppe „Tannen“ aus Osterode und Monika Krzenzek aus Ortelsburg. Wie gewöhnliche gab „Saga“ aus Bartenstein einen Tanzauftritt. Eine Schau seiner künstlerischen Möglichkeiten präsentierte Heilsberg selbst. Vor dem Fest gestaltete nämlich das Heilsberger Städtische Blasorchester die Atmosphäre angenehm, und danach tanzte und sang auch die Heilsberger Volkstanzgruppe „Perła Warmii“. Beim diesjährigen Sommerfest traten ebenfalls Gäste aus dem Ausland, obwohl auch aus Ostpreußen, auf, nämlich aus Königsberg. Das war eine Gruppe Akkordeonisten, die Frauentanzgruppe „Bernsteinblumen“ der deutschen Minderheit in Königsberg. Am Ende ihres Auftritts luden die Tänzerinnen das Publikum zum gemeinsamen Walzer ein. Auch die Kindergesangs- und Tanzgruppe „Zariana“ war dabei. Die hervorragend vorbereiteten Kinder tanzten einige Tänze und sangen einige russische Lieder, darunter „Kalinka“ das mit ihnen das ganze Amphitheater sang. Der Chor aus Mecklenburg-Vorpommern unter der Leitung von Manfred Schukat sorgte diesmal für eine Überraschung. Er führte nämlich auf Polnisch das Lied „Hej z góry, z góry jadą Mazury“ auf . In aller Kürze so sah das artistische Programm des Fests aus und es hat den Menschen wohl gefallen, denn trotz der Hitze vom Himmel fehlte es im Zuschauerraum nicht an Publikum. Im übrigen saß ein Teil davon verborgen in den nahen Büschen. Der offizielle Teil begann wie gewöhnlich mit einem ökumenischen Gottesdienst. Ihn zelebrierten Domherr André Schmeier aus Allenstein, der katholische Seelsorger der deutschen Minderheit, und der lutherische Pastor Dawid Banach aus Suwalken. Er hielt eine Predigt über die Wahrheit. Wichtige Worte sagte Stephan Grigat, der Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen. – So wie ein Baum Wurzeln braucht, so wir Heimat und deswegen kommen wir hierher zurück und deshalb ist Ostpreußen für uns wichtig. Im Lauf der letzten dreißig Jahre leben die Einwohner von Ermland und Masuren dank der Entwicklung in Frieden und Wohlstand. Aber das ist nicht selbstverständlich. Ohne die Europäische Union wären wir nicht hier, wo wir sind. Ich freue mich, dass die Einwohner Ermland und Masurens in den Wahlen eine europäische Orientierung gewählt haben. Seien wir Bürger Europas, Polens, Deutschlands, und vor allem Freunde, appellierte Stephan Grigat. Er war nicht der einzige wichtige Gast des Festes. An ihm nahmen nämlich u.a. Jacek Wiśniowski, der Bürgermeister Heilsbergs, Tomasz Kołodziejczak, der Gemeindevorsteher der Gemeinde Heilsberg und Miron Sycz, der Vizemarschall der Woiwodschaft, teil. Am Fest nahmen mindestens 1.000 Personen teil, und finanziell unterstützt wurde es vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, dem Ministerium für Inneres und Verwaltung in Warschau sowie dem Marschallamt von Ermland-Masuren in Allenstein.