Osterode – Adventstreffen und nicht nur das

Osterode – Adventstreffen und nicht nur das

Künstliche Intelligenz im Deutschen Haus

Es war wahrscheinlich der erste Gebrauch von Künstlicher Intelligenz in der Geschichte der deutschen Organisationen in Ermland und Masuren. Er fand während des Adventstreffens der Osteroder Gesellschaft der deutschen Minderheit statt. Wer bediente sich ihrer zu welchem Zweck und mit welchen Folgen? 

Das Adventstreffen der Gesellschaft „Tannen“ fand am 6. Dezember in ihrem Sitz im „Deutschen Haus“ statt. Es platzte aus allen Nähten. Das Programm des Treffens war ungewöhnlich reichhaltig. Eröffnet wurde es von den Kindern, die im Samstagskurs bei den „Tannen“ Deutsch lernen. Den Kurs leitet Ewelina Panasiuk. Die Kinder in Nikolauskostümen sangen einige bekannte Weihnachtslieder und rezitierten dazu passende Gedichte. Ihre Auftritt begannen und beendeten sie mit einem Überraschungslied darüber, wie angenehm und gut es ist, Deutsch im Kurs bei den „Tannen“ zu lernen. Sowohl Melodie als auch Text gingen einfach ins Ohr. 

Die Worte zu diesem Lied schrieb Ewelina Panasiuk, und die Melodie komponierte die Künstliche Intelligenz. Das Debüt der Künstlichen Intelligenz beim Samstagskurs kann man als sehr gelungen betrachten. 

Im zweiten Teil des Treffens zündete Pastor Waldemar Eggert aus Osterode, der mit den „Tannen“ befreundete Superintendent der Methodistischen Kirche, die zweite Kerze am Adventskranz an und erzählte den Anwesenden, welche Lehre wir daraus ziehen können. Diese Kerze symbolisiert den Frieden.

– Heute benötigt die Welt Frieden mehr denn je. Krieg ist das Böse an sich, nur extreme Gefühle, sagte er in Bezug darauf, was in der Ukraine und in Palästina geschieht.

Nach den Worten von Pastor Eggert begann der dritte Teil des Treffens, und auch ein Konzert. Dies gab auf dem frisch erneuerten und gestimmten Klavier Magdalena Białecka. Sie ist Komponistin, Organistin und Musiktheoretikerin, Doktorandin der Musikuniversität „Fryderyk Chopin“ in Warschau sowie Preisträgerin von Komponierwettbewerben; darüber hinaus ist sie Autorin zweier Opern. Bei der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit leitet sie den Chor „Ermlandklang“. Die Künstlerin spielte und sang deutsche Adventslieder, u.a. von Martin Luther. Es war ein sehr anspruchsvolle Repertoire. 

Aber das war noch nicht alles. Da das Treffen am 6. Dezember stattfand, rief Olga Żmijewska von den „Tannen“ allen die Figur des Heiligen Nikolaus, de Bischofs von Myra, in Erinnerung. 

Es gibt keine überzeugenden Beweise dafür, dass er wirklich existiert hat, aber er ist einer der populärsten Heiligen, vor allem in den Ostkirchen. Seine mutmaßlichen sterblichen Überreste ruhen in Bari in Italien.

Schlusselement des Treffens war ein öffentliches Interview, das Henryk Hoch, der Vorsitzende der „Tannen“, Olga Żmijewska gab. Er erklärte darin, wie es dazu kam, dass seine katholische Familie aus Groß Bertung bei Allenstein sich im protestantischen Osterode wiederfand, und wie in seinem Elternhaus früher Weihnachten begangen wurde. 

Das Osteroder Adventstreffen war außer wegen der historischen Nutzung von Künstlicher Intelligenz noch in anderer Hinsicht außergewöhnlich. Es war ein Teil des Projekts „Kultursalon“, das Olga Żmijewska, die Gründerin und Vorsitzende der Stiftung „Kunst der Freiheit“ durchführte. Das Projekt setzte sich aus fünf Treffen zusammen, die der Advents- und Weihnachtstraditionen gewidmet waren, und das Adventstreffen der „Tannen“ war darin eingebunden. Jedes Treffen hatte seinen Helden, der mit den Teilnehmern seine Erinnerungen oder sein Wissen teilte. Das waren außer Henryk Hoch u.a. Hildegard Ziółkowska, Ryszard Eberhardt und Pastor Eggert. Die Stiftung „Kunst der Freiheit“ fördert das Bewusstsein der Freiheit jeder Person und verknüpft Umfelder, die im Alltag theoretische keine Chance haben, sich zu treffen. Mehr zur Stiftung kann man auf ihrem You-Tube-Kanal finden. 

Das Adventstreffen  der „Tannen“ war also historisch im Hinblick auf die Künstliche Intelligenz, und dabei vielfältig und interessant.