Wird es eine neue Kategorie geben?
Die Hauptfiguren des Wettbewerbs des deutschen Liedes sind selbstverständlich die Interpreten der Lieder. In diesen für die deutsche Sprache schwierigen Zeiten gäbe es ohne das Engagement der Lehrer sicher nicht so viele und so sehr motivierte Teilnehmer.
Auf der Bühne in der Aula unter dem Amphitheater in Osterode präsentierten sich beim 19. Wettbewerb des deutschen Liedes, der am 21. November stattfand, 42 Künstler und Gruppen, insgesamt beinahe 100 Interpreten. Das waren vor allem Jugendliche von den jüngsten Klassen der Grundschule bis hin zu Mittelschulen. Einige von ihnen traten auch unter dem Schild ihrer deutschen Gesellschaften auf und das sowohl aus der ermländisch-masurischen, als auch aus der pommerschen Woiwodschaft.
Auf der Bühne war bereits der Generationswechsel bei den Deutschlehrern zu sehen, die die Kinder vorbereiten. Diese singen nicht mehr nur Lieder von Nena, Rammstein oder Helene Fischer. Immer häufiger greifen sie zu Liedern anderer Interpreten. Selbstverständlich sind weiterhinch Klassiker aus Schulbüchern zum Deutschunterricht aktuell. Denn wie kann man Deutsch sprechen, ohne „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ zu kennen?
Immer besser ist auch ihre szenische Vorbereitung, wie Anna Zapaśnik-Baron bemerkte. Die Schauspielerin war früher die Leiterin des Osteroder Kulturzentrums.
– Die Kinder singen nicht nur, sondern spielen voller Hingebung beim Singen, und darüber hinaus haben viele von ihnen sehr gut passende szenische Kostüme. Wenn es so weitergeht, müssen wir außer der Alterskategorie noch eine Kategorie einführen: deutsche Schauspiellieder, scherzte sie, aber wer weiß…
Und wie sah ihrer Vorbereitung in sprachlicher Hinsicht aus?
– Unterschiedlich. Es gab Kinder, die eine perfekte Aussprache hatten, und solche, die deutliche Mängel hatten. Diesen Wettbewerb organisieren wir jedoch unter anderem deswegen, um Kinder zum Deutschunterricht zu ermuntern, also disqualifizieren diese Mängel niemanden, erklärt Henryk Hoch, der Vorsitzende der deutschen Gesellschaft „Tannen“.
– Ich mag die deutsche Sprache und ich singe gerne, und deswegen habe ich an diesem Wettbewerb teilgenommen. Deutsch fällt mir leichter als Englisch, versichert Skoniecka aus der siebten Klasse der Grundschule in Lahna. Nichts ungewöhnliches, denn Julia lernt Deutsch als Minderheitensprache seit der ersten Klasse. Sie sang Rolf Zuckowskis Lied „Als ich ein Baby war“.
Maksymilian Misior aus der siebten Klasse der Grundschule Nr. 25 in Elbing interpretierte das Lied „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer und erntete dafür einen Preis. Deutsch lernt er erst sei September. Warum startete er beim Wettbewerb?
– Mich hat meine Deutschlehrerin Frau Katarzyna Felke überredet. Aber sie musste mich nicht lange überreden, den ich singe und tanze gerne. Ich habe beim Wettbewerb in Gdingen und auf dem Open Air in Konin gesungen. Und im nächsten Jahr starte ich auch beim deutschen Wettbewerb, kündigt er an.
Hanna Rubacha, Liliana Lachowicz, Maja Toruniak und Zuzanna Komorowska – Alle aus den Landwirtschaftsschule in Groß Bestendorf gründeten für den Wettbewerb eine Band. Sie hat noch keinen Namen. Inspiriert hat sie dazu die Deutschlehrerin Małgorzata Schauerte. Einen Monat Proben und sie nahmen mit dem Lied „Gute Laune“ aus dem Repertoire der Gruppe „GroßstadtEngel“ den ersten Platz in der Kategorie Gruppen aus Mittelschulen ein. Sie zeigten eine gute Vorbereitung und eine Menge frischer Energie. Und wie geht es weiter?
– Vielleicht werden wir weiter zusammen singen, sagen die Mädchen voraus
Ist es in einer von der englischen Sprache dominierten Weltschwierig, Jugendliche zum Singen auf Deutsch zu überreden?
– Schwierig ist das nicht, aber ohne Ermunterung klappt es nicht. Man muss die Jugendlichen dafür interessieren. Wenn sie etwas für interessant halten, engagieren sie sich. Aber danach muss man sie noch motivieren, denn sie lassen sich leicht ablenken, bewertet Milena Chmielewska, Deutschlehrerein von der Grundschule in Lahna.
Kein Wunder also, dass außer den Preisen, die die Gewinner erhielten, auch die Lehrer spezielle Danksagungen bekamen. Es ist ihr Verdienst, das es trotz aller Äußerungen verschiedener prominenter Politiker über Deutschland nicht an Interessenten zur Teilnahme daran fehlt.
In der Jury des Wettbewerbs saßen Henryk Hoch und Ingrid Lipka von der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Tannen“ sowie Anna Zapaśnik-Baron, die frühere Leiterin des Osteroder Kulturzentrums. Hauptorganisatorin des Wettbewerbs war Anna Laskowska von der Gesellschaft „Tannen“. Der Wettbewerb wurde finanziell unterstützt vom Ministerium für Inneres und Verwaltung sowie dem Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren.
