Beinahe 100 Teilnehmer, viermal Rammstein, viermal „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider”, jeweils dreimal Nena und Helena Fischer sowie je zweimal Namika und Karel Gott. Das ist der kürzeste Bericht vom 18. Wettbewerb des deutschen Liedes. Nur, dass er nicht wiedergibt, was dort passiert ist. Und was war das?
Der Wettbewerb fand am 27. November in Osterode statt. Dieses Mal im Kammersaal unter dem Amphitheater, das zum Kulturzentrum in Osterode gehört. Das ist ein sehr guter Ort. Die Teilnehmer des Wettbewerbs waren in einige Alterskategorien unterteilt: von Vorschulkindern bis zu Erwachsenen. Zusätzlich gab es in jeder Kategorie die Unterteilung in Solisten, Duette und Bands. Es kamen beinahe 100, und woher?
Selbstverständlich aus Osterode, Bischofsburg, Rontzken, Reußen, Wieps, Elbing, Allenstein, Maldeuten, Schroop, Marienwerder und Kalsen. Am zahlenstärksten vertreten war Osterode mit vier Schulen und Kindern von der deutschen Gesellschaft „Tannen“, aber eine imponierende Repräsentanz hatte die Grundschule in Rontzken, Kreis Neidenburg, aufgestellt, in der den Kindern Ewelina Panasiuk Deutsch als Sprache der nationalen Minderheit beibringt, die auch die Samstagskurse bei den „Tannen“ leitet. Wie gewöhnlich waren es mehr Kinder als Jugendliche, mehr Mädchen als Jungen, mehr Solisten als Duette und Bands. Es erschien nur eine Erwachsenen-Band, die „Mikołajczanki” aus Kalsen im Kreis Stuhm, zu der u.a. anderen die Frauen aus der dortigen deutschen Minderheit gehören.
Die Mehrheit der Teilnehmer griff nach bewährten Liedern. Deswegen sangen auch so viele Interpreten dieselben Werke. Die Jüngsten präsentierten wie gewöhnlich populäre Kinderlieder. Die älteren griffen nach anspruchsvolleren Liedern. Das ging nicht bei allen gut aus, aber in diesem Fall zählte am meisten der gute Wille. Und davon zeugte die Bühnenbekleidung der Sänger – durchdacht, farbenfroh, passend zu den Liedern gewählt. Einige Bands, wie die Mädchen vom Osteroder Salesianer-Lyzeum, hatten sogar eine Tanzgruppe, ähnlich wie die Gruppe aus der siebten Klasse der Grundschule Nr. 3 in Osterode. Im übrigen bewegten sich viele Interpreten gar nicht schlecht auf der Bühne. Zum ersten Mal nahmen am Wettbewerb des deutschen Liedes einige Mädchen aus der Ukraine teil, die heute in Osterode wohnen und lernen. Hingegen ist nicht bekannt, das wievielte Mal es ist, dass Alicja Klufczyńska am Wettbewerb teilnahm.
Sie ist ein wahres Ein-Frau-Orchester, von Ausbildung Pädagogin, Germanistin, Katechetin und Organistin. Sie spielt auf der Gitarre, auf Tasteninstrumenten und singt auch noch, und außer ihrer beruflichen Tätigkeit leitet sie die Kindergruppe „Półnutki” im Spezialschulverband und die erwachsenen „Mikołajczanki“. Beim Wettbewerb begleitete sie sich selber auf dem Akkordeon und sang den alten Schlager „Rot, rot, rot sind die Rosen”, und begleitete danach noch ihre Schützlinge.
Bemerkenswert ist auch Weronika Popławska von der Osteroder Grundschule 3. Sie sang den bekannten Schlager von Helene Fischer „Atemlos durch die Nacht”. In ihrem Vortrag passte alles zusammen: Rhythmus, Melodie, Aussprache, Mimik und Bewegung. Einen sehr guten Eindruck machte auch die Männergruppe vom Salesianer-Lyzeum in Osterode. Die Jungs sangen a cappella das alte deutsche Studentenlied „Die Gedanken sind frei” und begeisterten mit der Kraft der Stimmen sowie der Frische der Ausführung die Zuschauer.
Am diesjährigen Wettbewerb nahmen wesentlich mehr Personen teil als am vorherigen. Woran lag das?
– Kinder und Jugendliche nehmen gern an diesem Wettbewerb teil, weil das für sie eine Gelegenheit ist, sich zu zeigen und zu testen. Sie sehen Gleichaltrige im Fernsehen und wollen auch. Das ist ein sehr gutes Phänomen, denn diese Auftritte ermutigen die Jugendlichen, geben ihnen Selbstsicherheit, und bei dieser Gelegenheit lehren sie die Sprache und verbreiten die deutsche Kultur, öffnen sie also zur Welt, zählt Ewelina Panasiuk auf, die sage und schreibe 14 Kinder zum Wettbewerb geschickt hat, darunter drei vom Samstagskur in Osterode, und der Rest – aus Rontzken.
Die Lehrerin betont noch eine wichtige Sache.
– Es sind drei Stunden Unterricht der deutschen Sprache als Minderheitensprache an Schulen zurückgekehrt. Endlich kann man den Kindern etwas beibringen. Durch das Durcheinander ist bei uns im Kreis Neidenburg das Interesse an dieser Form des Unterrichts noch gewachsen. Denn erst nach der Verringerung der Stundenzahl durch Minister Czarnek lernten die Eltern zu schätzen, wie wichtig Deutsch ist, versichert sie.
Was sagen die Eltern selbst dazu? Damian Pniewski aus Osterode verfolgte mit roten Backen und dem Telefon in der Hand den Auftritt seiner Tochter Wanda aus der vierten Klasse, die mit Verve „Wo ist meine Mama?” sang.
Wanda lernt Deutsch bei den Samstagskuren in der Gesellschaft „Tannen“. Sie macht das gern, denn sie hat Familie in Deutschland, und wenn sie dort, dann kauft sie schon selber Eis.
– Sie hat mit mir und meiner Frau vor der Schule, nach der Schule, vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen geübt. Sie hat sich sehr bemüht. Es ist gut, dass es solche Wettbewerbe gibt. Sie entwickeln nicht nur musikalisch und sprachlich, sondern machen vor allem den Kindern Mut und bringen Rivalität bei, versichert ihr Vater.
Das bekräftigt auch Sylwia Korzeniecka aus Rontzken, die ihren Sohn Aleksander und ihre Tochter Maja begleitete.
– Aleksander mag Deutsch, möchte es lernen, es geht ihm leicht von der Hand. Das gibt mir als Mutter enorme Freude. Die Rückkehr der drei Stunden Deutsch erlaubt meinen Kindern und allen anderen, die Sprache besser zu beherrschen, und das Singen hilft ihnen dabei, fügt Sylwia Korzeniecka hinzu.
Große Anerkennung für die Lehrer. Ohne ihr Engagement und ihre Arbeit in der Vorbereitung der Schüler wäre dieser Wettbewerb nicht so farbenfroh, heiter, interessante und voller Emotionen.
Organisator des Wettbewerbs war die Osteroder Gesellschaft der deutschen Minderheit „Tannen“, und physisch Anna Laskowska. Finanziert wurde er vom Ministerium für Inneres und Verwaltung in Warschau sowie dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig. Partner war das Kulturzentrum in Osterode.
Text und Foto: Lech Kryszałowicz
Ergebnisse
Kategorien
Vorschulkinder
1. Diana Budziak Spezialschul- und Erziehungszentrum in Kołoząb/Kalsen
2. Adam Panasiuk OGDM „Jodły”
Klassen 1-3
Solo
1. Hanna Panasiuk OGDM „Jodły”
2. Mateo Majewski GS 3 Osterode
3. Emilia Roska GS Rontzken
Bands
1. Lidia Durska, Dagmara Kędzior, Emilia Kępa, Antonina Kierońska, Michalina Kubas, Małgorzata Lewandowska, Alicja Sobczuk GS 2 Allenstein
2. Weronika Wasilewska, Hanna Wojtczak, Marianna Roszkowska, Helena Kownacka GS 2 Allenstein
Klassen 4-6
Solo
1. Weronika Popławska GS 3 Osterode
2. Karolina Kowaczek Salesianer-GS in Osterode
3. Aleksandra Olszewska GS Rontzken
Bands
1. Gruppe von der GS 2 Allenstein
2. Gruppe „Półnutki” Spezialschul- und Erziehungszentrum in Kołoząb/Kalsen
3. Gruppe von der GS 2 Allenstein
Klassen 7-8
Solo
1. Julia Piątek GS 6 Osterode
2. Keteryna Honcharuk GS 3 Osterode
Duett
1. Kornelia Kuspiel, Hanna Rubacha GS in Maldeuten
2. Keteryna Rastiehaieva, Paulina Kozieła GS 3 Osterode
3. Julia Grigorjew GS 25 Elbing
Bands
1. Marco Majewski, Agata Ryzop, Maria Wiśniewska, Ada Rogowska GS 3 Osterode
2. Filip Chełchowski, Mateusz Mierzejewski, Teofil Lipiński, Jakub Jobs GS 3 Osterode
weiterführende Schulen
Solo
1. Anna Kołecka Verband der Landwirtschaftsschulen in Osterode
2. Agata Wibrandt Verband der Landwirtschaftsschulen in Osterode
Bands
1. Kacper Tyszkowski, Wiktor Nowicki, Maciej Grzeluk, Karol Zakrzewski, Nikodem Podolski, Alan Sadowski, Jakub Zalewski Salesianer-Lyzeum Osterode
2. Urszula Barczykowska, Jowita Ruszczyk, Maja Łachacz, Zofia Tomaszewska, Dominika Kotuszewska, Pola Wolf, Zofia Przyborowska, Magdalena Kopiczyńska Salesianer-Lyzeum Osterode
3. Oliwia Zakrzewska, Maria Kwitkowska, Igor Michałowicz Verband der Landwirtschaftsschulen in Osterode
Erwachsene
Solo
1. Alicja Klufczyńska
Bands
1. Mikołajczanki
