Die Spinne fing sie im Netz
Nach mehreren Jahren in Osterode wurden die Olympischen Sommerspiele der deutschen Jugend nach Bartenstein verlegt. Der Ortswechsel brachte auch organisatorische Änderungen mit sich. Waren diese für die Veranstaltung von Vorteil?
Die Olympischen Sommerspiele der Deutschen Jugend fanden vom 30. Mai bis zum 1. Juni statt. Das Olympische Dorf war der Sekundarschulverband Nr. 1 in Bartenstein. In dieser ehemaligen Kaserne fanden die jungen Olympioniken sehr gute Unterkünfte und eine Sporthalle – nicht nur für sportliche Wettkämpfe. Die Teilnehmer waren Jugendliche aus den deutschen Vereinen in Bartenstein, Landsberg, Allenstein und der Grundschule in Groß Lemkendorf, wo viele Kinder Deutsch als Minderheitensprache lernen. Koordinatorin der Olympischen Spiele war Danuta Niewęgłowska, die Leiterin der Volkstanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein. Sie sorgte dafür, dass bei den Teilnehmern keine Langeweile aufkam.
Den ersten Tag bzw. Nachmittag verbrachten die Jugendlichen mit einer Stadtbesichtigung in Bartenstein. Die Führung leitete Paweł Urbański von der Gruppe „Saga“. Paweł zeigte nicht nur Wissenswertes über Bartenstein, wie zum Beispiel die „pruzzischen baby“ Bartel und Gustebalda, sondern erzählte auch spannend über die Geschichte der Stadt und Ostpreußens. Zum Abschluss des Abends fanden Integrationsspiele statt.
Der Samstag stand für die Teilnehmer fast ausschließlich im Zeichen des Sports. Offiziell gab es nur drei Wettbewerbe: 100-Meter-Lauf, Medizinballwerfen und Weitsprung, aber …
– Damit die Jugendlichen dieses Wochenende voll und ganz für Bewegung im Freien nutzen konnten, spielten sie auch Fußball und Volleyball, ein „Spinnenturnier“ (ein Mannschaftsspiel, bei dem gemeinsam Blöcke mit einem Netz getragen werden), Tennisbälle fangen, Korbwürfe und Tischtennis, informiert Danuta Niewęgłowska, die weiß, wie man Jugendliche auf interessante Weise beschäftigt und sie von ihren Handys ablenkt.
Der Sportwettbewerb wurde von den Sportlehrern Marta Cichocka und Andrzej Cichocki aus Bartenstein und Lech Wąsowski aus Allenstein geleitet. Die medizinische Betreuung übernahmen Paula Maciejewska und Kornelia Marczenia, Schülerinnen aus Bartenstein und Mitglieder des Polnischen Roten Kreuzes. Für Integrationsaktivitäten und die Betreuung der Jugendlichen waren Dorota Cieklińska und Monika Krzenzek verantwortlich.
Sonntag – der dritte Tag der Olympiade – war eine Zeit der Zusammenfassung. Es gab ein Wissensquiz über Bartenstein und Ostpreußen, vorbereitet von Paweł Urbański.
Sport und Integration sind die Ziele der Olympiade. Aber gefällt das den jungen Leuten, die offensichtlich meist sportfern sind? Dagmara Mokszańska und Laura Koprowska aus der vierten Klasse waren zum ersten Mal bei der Olympiade. Ihre Mütter hatten sie angemeldet.Hat es ihnen gefallen?
– Ja. Die Wettkämpfe sind nicht schwer. Bei den „Saga“-Proben haben wir es schwerer, sagen die Mädchen, die erst kürzlich Mitglieder dieser Gruppe sind. Werden sie sich nächstes Jahr wieder anmelden?
– Auf jeden Fall.
Dagmara und Laura sind die jüngsten Olympiateilnehmer. Der älteste ist Szymon Krejer, ebenfalls aus Bartenstein. Er ist zum zweiten Mal bei der Olympiade. Szymon trainiert Volleyball in der Schule und geht vier- bis fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio.
– Mir machen diese Olympiade großen Spaß. Ich bin hier, um Leute zu treffen und neue Freundschaften zu knüpfen. Ich mag Sport und Bewegung und benutze mein Handy nicht oft, weil ich keine Zeit für Spiele habe. Und ich bereue es überhaupt nicht“, versichert er.
Karolina Mandywel aus Bartenstein war zum dritten Mal bei den Olympischen Spielen. Sie ist 17 Jahre alt und eine der Ältesten.
– Mir macht es auch einfach großen Spaß. Ich habe etwa zehn Jahre lang bei „Saga“ getanzt.Dort waren wir bei den Proben völlig erschöpft. Hier macht es Spaß und man lernt Leute kennen, lacht sie.
Ihre Meinung teilt Filip Ślusarczyk, ein Siebtklässler aus Olsztyn, der Fußball und Tennis spielt.
Mikołaj Komarzewski, 14, ist zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen. Er spielt seit sechs Jahren Fußball und ist in der Juniorenmannschaft von Wiktoria Bartoszyce aktiv. Auf dem Platz macht er mit Ball und Gegnern, was er will.
– Da ich letztes Jahr bei den Olympischen Spielen war, wusste ich, was mich erwartet, und habe dieses Jahr gerne teilgenommen. Wenn es klappt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei, versichert er.
Und das ist wohl der beste Beweis dafür, dass es möglich ist, junge Menschen von Handys und Computern wegzulocken und ihnen zu zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, ihre Zeit zu verbringen. Schade nur, dass sich nicht auch Eltern aus anderen Vereinen als den drei in Bartenstein vertretenen darum gekümmert haben.
Die Olympischen Sommerspiele der Deutschen Jugend wurden finanziell unterstützt von der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren, dem Ministerium für Inneres und Verwaltung der Republik Polen und der Landsmannschaft Ostpreußen. Die Organisation übernahmen das Büro der Landsmannschaft in Allenstein sowie der Verband der deutschen Vereine in Ermland und Masuren in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der deutschen Minderheit in Bartenstein.
