Ellerwald – Nur die Verabschiedung des Sommers?

Ellerwald – Nur die Verabschiedung des Sommers?

In Elbing wie auf der „Titanic“  

In Elbing ist es wie auf der „Titanic“ kurz nach dem Rammen des Eisbergs. Die Leute amüsieren sich, obwohl das Urteil über die Gesellschaft schon gefällt ist. 

Im März dieses Jahres fasste die aktiv tätige Gesellschaft der deutschen Minderheit in Elbing den Beschluss zu ihrer Auflösung. Der Grund? Das Fehlen von Interessierten zur Übernahme der Funktion des Vorsitzenden. 

Die Prozedur der Auflösung zieht sich langsam und mit Schwierigkeiten hin, aber das Leben in der Gesellschaft ist nicht zum Stillstand gekommen. Am 13. September organisierte die Gesellschaft wie jedes Jahr in Ellerwald bei Elbing ein Sommerfest. In Ellerwald, weil sie dort das Fest seit vielen Jahren macht und es dort ein Palast-Park-Ensemble gibt, in dem sehr gute Bedingungen für die Organisation vielfältiger Feste herrschen.

– Dieses Fest hatten wir bereits Anfang dieses Jahres geplant und es machte keinen Sinn mehr, einen Rückzieher zu machen. Um so mehr, da alle wollten, dass es stattfindet. Nun und es hat stattgefunden, erinnert sich Róża Kańkowska, die Vorsitzende der Gesellschaft.

Zum Treffen kamen 25 Personen. Als schon alle gegessen und getrunken hatten, begann die super Unterhaltung. Es gab Tanz, gemeinsames Singen, Spiel und Spaß. Das Personal des Palastes hat alles hervorragend organisiert. Die Menschen waren bester Laune, hingen aneinander, waren herzlich und nett. 

– Vielleicht deshalb, weil das unsere Abschiedsfeier ist, denn unter solchen Umständen werden wir uns wahrscheinlich nicht mehr treffen. Alle fühlten das und wollten diese Zeit nutzen, vermutet Róża Kańkowska.

Ähnlich wie auf der „Titanic“ spielte das Orchester bis zum bitteren Ende. Schade, dass sich in Elbing keine Interessenten für das Amt des Kapitäns gibt, denn eine Besatzung gibt es, wie man sehen konnte. 

Die Verabschiedung des Sommers (und vielleicht der Gesellschaft) finanzierte das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig. 

Lek, Foto: Hilda Sucharska