Rastenburg – 30-jähriges Jubiläum der Gesellschaft

Rastenburg – 30-jähriges Jubiläum der Gesellschaft

Sie bauen Brücken zwischen Menschen 

Dreißig Jahre sind im Leben eines Menschen eine lange Zeit. Und wie lange sind sie für eine Gesellschaft? Für eine Gesellschaft zählen nicht die Jahre, nur das, was sie geleistet hat. Aber feiern kann sie doch. Deshalb veranstaltete die Rastenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit am 23. Mai ihren Geburtstag.

Es gab also eine Jubiläumstorte, Gäste und Glückwünsche, wie es sich für Geburtstage gehört. Und wer war da? Der aktuelle Bürgermeister von Rastenburg Karol Lizurej und sein Vorgänger und Zeuge der Gründung der Gesellschaft Krzysztof Hećman. Anwesend waren der Stellvertreter des amtierenden Bürgermeisters Marek Olszewski, der stellvertretende Landrat Łukasz Wiśniewski, die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde Rastenburgs Maria Skibińska,  Bożena Toruńska von der Gesellschaft Konik Mazurski, Dorota und Jerzy Baranowski von der Arno Holz Gesellschaft, mit denen die Rastenburger deutsche Minderheit seit Jahren zusammenarbeitet. Auch Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, und viele weitere Gäste waren anwesend.Wer fehlte? Vertreter anderer deutscher Vereine aus unserer Region. 

Die Gäste gratulierten dem Jubilar herzlich und betonten sein Engagement für die Stadt und die deutsch-polnische Verständigung. Der Vorsitzende des Verbands hingegen überreichte Zofia Lachowska und Sylwia Koźluk, der amtierenden und ehemaligen Vorsitzenden, Ehrenauszeichnungen des Verbands. 

– Sie können eine Brücke zwischen Menschen sein. Sind Sie es? paraphrasierte der frühere Bürgermeister Krzysztof Hećman die Worte Goethes und appellierte: bauen Się eine neue Qualität in den deutsch-polnischen Beziehungen.  

Und diese neue Qualität baut die Gesellschaft konsequent auf. Man könnte sagen, von Grund auf, denn unter gewöhnlichen, normalen Menschen. Eine dieser Brücken ist das Buch „Sie waren vor uns hier“, das gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde Rastenburgs und der Arno-Holz-Gesellschaft für deutsch-polnische Verständigung in Rastenburg veröffentlicht wurde. Die zweite Brücke sind Projekte wie „Zusammenarbeit ist die Grundlage“, „Mittsommernacht“ und die Förderung vieler anderer Formen der Freizeitgestaltung für die Einwohner von Rastenburg. Die Gesellschaft organisierte sie in Zusammenarbeit mit den Städten Rastenburg und Rudczanny, dem Verein „Frau auf PLUS“ und vielen anderen Nichtregierungsorganisationen in Rastenburg. Ein weiteres Beispiel ist die Lazarus-Sozialstation, die allen Bedürftigen hilft, sowie die erfolgreichen Anträge auf die Verleihung der Ehrentitel „Verdient für den Kreis Rastenburg“ und „Ehrenbürger der Woiwodschaft Ermland-Masuren“ an Arno Surminski, den deutschen Schriftsteller aus Jäglack. Dem Aufbau dieser Beziehungen dienen auch die Pflege der Gräber und des Massengrabes der ermordeten Krankenschwestern und des angesehenen Direktors des Rastenburger Krankenhauses Dr.Diehl. Ein anderes Beispiel ist die Lesung der Gedichte von Arno Holz, dem in Rastenburg geborenen und aufgewachsenen herausragenden deutschen Schriftsteller und Dichter, in deutscher und polnischer Sprache. Ein Pfeiler dieser Brücke ist Frank Krawolitzki, ein ehemaliger Einwohner von Rastenburg aus Deutschland, ein Mittler der deutsch-polnischen Beziehungen und ein großer Freund sowohl der Stadt als auch der Organisation. Im Jahr 2022 erhielt er die Ehrenbürgerwürde von Kętrzyn verliehen.

Für ihre Integrationsarbeit für die Bewohner wurden die Vorsitzende der Gesellschaft und die Gesellschaft selbst mehrfach ausgezeichnet. 

Der Verein hat viele Aktivitäten für seine Mitglieder durchgeführt. Besonders präsent war die Kindertheater- und Gesangsgruppe mit Auftritten in der Stadt, der Umgebung und der Region. Sie nahm sogar erfolgreich an den Ausscheidungsrunden des Teleturniers „Mam Talent“ teil. 

Was sich im Verein in den letzten 30 Jahren getan hat, können Sie in der Jubiläumsbroschüre nachlesen. Und wie beurteilen die beiden Vorsitzenden der Gesellschaft, die am Jubiläum teilgenommen haben, diese Zeit? 

Sylwia Koźluk, Vereinsvorsitzende in den Jahren 2014–2018.

– Für mich waren die Vorbereitungen und der Auftritt im Programm „Mam Talent“ am spannendsten. Der größte Wert war und ist jedoch die Zusammenarbeit zwischen den Generationen, die sich im Laufe der Zeit in unserer Organisation entwickelt hat. Wir sind wie eine Familie geworden, in der es zwar unterschiedlich zugeht, wir uns aber aufeinander verlassen und zusammenarbeiten können.“

Zofia Lachowska – Vorsitzende seit 2018.

– Ich erinnere mich am liebsten an die Zeit, als Kinder in unseren Verein kamen, aufwuchsen und an unserem Leben teilnahmen. Damals war viel bei uns los: verschiedene Workshops, Ausflüge, Sprachunterricht, das Kennenlernen der Vergangenheit. Heute sind diese bereits erwachsenen Jugendlichen über die ganze Welt verstreut, und kaum jemand bringt seine Kinder zu uns. Ohne sie gibt es uns nicht. 

Die Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Rastenburg entstand 1995. Die erste langjährige Vorsitzende war die Gründerin Helena Oprzyńska-Pacewicz. In ihrer Blütezeit hatte die Organisation 350 Mitglieder, heute sind es 31. Sie hat ihren Sitz in der stilvollen ehemaligen Freimaurerloge. Ihre heutige Aktivität konzentriert sich auf die Pflege deutscher Kultur und Tradition sowie die Pflege der Gräber bedeutender deutscher Bürger der Stadt.

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern und  für Heimat durch den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen finanziert.