Webstühle und Ballettschuhe
Sollten die jungen Tänzer von „Saga“ in der Lage sein, auf Webstühlen Jurtenbänder oder Gürtel für ihre Trachten zu machen? Sie sind doch Tänzer und keine Weber.
Am Wochenende vom 16. bis zum 18. August fuhren die Tänzer der Regionaltanzgruppe „Saga“ ins Forsthaus des Jagdkreises „Szarak“ in Bartenstein, das sich in Bonschen befindet. Sie fuhren dorthin auf eine Werkstatt, aber nicht eine Tanz-, sondern eine Webwerkstatt. Was lernten sie dort? Das Weben von Jurtenbändern und Gürteln für ihre Trachten auf Webstühlen. Heute sind sie Schmuck für Volkstrachten, aber einst dienten sie den ostpreußischen Frauen dazu, einen Korb an die Hüften zu binden, damit sie freie Hände hatten. Wozu den Kindern solch eine archaische Fähigkeit?
– Es geht nicht nur um die Fähigkeit des Webens allein. Wir lehren sie dadurch die Achtung vor den Trachten, die sie tragen, sowie die Achtung vor unserer Tradition, erklärt Danuta Niewęgłowska, die Leiterin von „Saga“.
Die Webwerkstatt leitete Danuta Radziulewicz von der deutschen Gesellschaft in Bartenstein, die einige Jahre zu Schulungen nach Deutschland gefahren war. Die Tänzer hatten nur zwei Webstühle zur Verfügung. Einer ist Eigentum von Danuta Radziulewicz und der zweite ein eigener, den „Saga“ vor ein paar Jahren als Geschenk bekommen hatte. Diejenigen, die nicht webten, übten Tänze, um sich nicht zu langweilen, genauer, einen ostpreußischen Reigen aus sieben Tänzen.
– Diese drei Tagen Üben vor Ort geben einen solchen Effekt wie zwei Monate wöchentliches Training, versichert die Leiterin von „Saga“.
Während des Aufenthalts in Bonschen führten die älteren Tänzerinnen von „Saga“ für die jüngere Gruppe zusätzliche Schulungen durch. Karolina Mandywel erklärte ihnen, wie sie mit Stress und Depression fertig werden können. Daria Pisarek erzählte ihnen dagegen, wie sie das Internet nutzen können, welche Bedrohungen dort auf sie warten können und wie sie sich nicht betrügen lassen.
Am Samstag Abend kamen Eltern und Geschwister nach Bonschen und sie machten ein gemeinsames Abendbrot mit Grill.
Die Werkstatt wurde finanziert aus den so genannten Kleinprojekten des VdG in Oppeln, aus Mitteln der sozialkulturellen Gesellschaft der deutschen Minderheit Bartenstein sowie der Eltern der Kinder.
Fotos: Danuta Niewęgłowska
