Sie lernten mitten in den Ferien!
Wenn sich jemand über die heutige Jugend beschwert, bedeutet das, dass er sie überhaupt nicht kennt, zumindest nicht die aus Bartenstein. Damit sich also niemand mehr über sie beschwert – sagen wir, was sie getan hat.
Vom 14. bis 18. August herrschte eine sengende Hitze und wer konnte, der verbarg sich im Schatten oder im Wasser, doch was machten die Jugendlichen aus Bartenstein? Sie lernte die deutsche Sprache auf den sommerlichen Sprachcamps 23. Dabei waren 19 Personen. Was waren das für Jugendliche? Mitglieder der Bartensteiner Gesellschaft der deutschen Minderheit, der Regionaltanzgruppe Saga und Schützlinge de Schul- und Erziehungszentrums in Bartenstein. Warum sie?
– Weil sie weniger Möglichkeiten der Entwicklung und der Kontakte mit Gleichaltrigen haben, erklärt Danuta Niewęgłowska, die Leiterin der Gruppe „Saga“.
Die Jugendlichen aus der Gesellschaft und von „Saga“ wollten sie überzeugen, dass es sich lohnt, Deutsch zu lernen, weil es ihnen im Leben weiterhilft. Die Teilnehmer des Lagers lernten also fünf Tage lang von 9.00 Uhr bis 15.30 Uhr Deutsch. Das war jedoch kein Unterricht wie in der Schule. Viel an diesen Stunden war Spiel. Beim Herstellen von Armreifen lernten die Jugendlichen zum Beispiel die Namen von Büroartikeln kennen, den Wortschatz zu Erster Hilfe lernten sie bei der Feuerwehr und die Farben beim Spiel mit dem Animationstuch. Bei jedem Schritt hatten sie vor Augen Karten mit den Namen der Gegenstände, an die sie geklebt waren. Der Wissen gelangte also schnell und schmerzlos in ihre Köpfe. Den Unterricht leitete Dorota Cieklińska, die Tanz-Trainerin von „Saga“.
Auf dem Programm des Lagers stand auch ein Ausflug zur Burg in Heilsberg und ein Treffen mit Ewa Huss-Nowosielska von der Gesellschaft „Warmia“, die den Gästen deutsche Lieder beibrachte. Es gab auch ein Lagerfeuer am See in Bartenstein.
Initiator des Lagers war Paweł Urbański, der vor kurzem seinen 18. Geburtstag begangen hat, und bei der Durchführung half ihm Daria Pisarek. Beide sind Tänzer von „Saga“ – wie sich erwies, auch mit Organisationstalent.
Ob die Jugendlichen vom Schul- und Erziehungszentrum als zweite Fremdsprache Deutsch wählen werden, wird sich in Kürze zeigen. Aber schon jetzt hat das Lager einen Nutzen gebracht: zwei Mädchen entschieden sich dazu, „Saga“ beizutreten. Es gibt eben keine bessere Reklame als das, was der Kollege oder die Kollegin sagt.
