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Nie genug Bücher über Masuren

von monika
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Über frühere Kirchen und Gemeinden auf dem Gebiet der Diözese Masuren der evangelisch-augsburgischen Kirche sprach mit dem Bischof im Ruhestand Rudolf Bażanowski Dr. Alfred Czesla. 

- In den letzten Jahren erscheinen immer mehr Publikationen und Artikel über den protestantischen Protestantismus. Auch Sie sind Autor von einigen davon. Womit ist dieses Interesse zu erklären?

- Als ich 1977 als junger Geistlicher in die Diözese Masuren kam, kannte ich die Geschichte dieses Landes nicht besonders gut. Informationen waren oft verstreut und nicht selten schwer zu finden. Ich entschloss mich, sie zu sammeln, nicht so sehr um meine eigene Neugier zu befriedigen, sondern interessierten Personen die komplizierten Geschicke der Diözese Masuren der evangelischen-augsburgischen Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis 2017 nahe zu bringen.

- 1751 wurden die Kirchenstrukturen in Preußen vereinheitlicht. Worin bestand diese Unifizierung?

- Nach dem Tod des evangelischen Bischofs Johannes Wigand übernahmen die von Herzog Georg Friedrich ins Leben gerufenen Konsistorien Samland in Königsberg und Pomesanien in Saalfeld die Verwaltung der Diözesen. 1751 wurden alle Gemeinden in Preußen einem Konsistorium unterstellt – in Königsberg. Nicht ohne Bedeutung für das liturgische Leben war 1817 die Einführung der lutherisch-reformierten Kirchenunion durch König Friedrich Wilhelm III. 1916 gab es im damaligen Ostpreußen 41 Diözesen der evangelisch-unierten Kirche, an deren Spitze Superintendenten standen. Territorial waren diese Diözesen, mit wenigen Ausnahmen, mit den Landkreisen identisch. Die evangelischen Diözesen in Ermland umfassten jeweils zwei Landkreise: Braunsberg die Kreise Braunsberg und Heilsberg; Allenstein die Kreise Allenstein und Rößel.

- Bis 1945 dominierten in Ostpreußen die Protestanten. Wie war ihre Situation nach dem Zweiten Weltkrieg?

- Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich 285 Gemeinden der ehemaligen unierten Kirche in Ostpreußen in den Grenzen Polens wieder. Anfangs kümmerte sich um die Protestanten, die den Krieg überlebt hatten, und die, die hierher gezogen waren, eine Handvoll polnischer evangelischer Pfarrer (im Dezember 1945 waren es nur vier). Im Juni 1946 wurde die Diözese Masuren der evangelisch-augsburgischen Kirche als Rechtsnachfolgerin der evangelisch-unierten Kirche vor dem Krieg eingerichtet. Die evangelisch-augsburgische Kirche konnte in seelsorgerischer und administrativer Hinsicht den Bedürfnissen damals nur in geringem Ausmaß gerecht werden, denn es gab keine ausreichende Zahl evangelischer Pfarrer (viele waren im Krieg ums Leben gekommen). Die Masuren hatte vielerorts lange Jahre lang keine zufrieden stellende seelsorgerische Betreuung. Im Jahr 1950 wohnten auf dem Gebiet der Diözese Masuren etwa 100.000 Masuren evangelischen Bekenntnisses. Aus dem Bezirk Masuren (später Woiwodschaft Allenstein) wurden die Deutschen ausgesiedelt, und es ließ sich überwiegend Bevölkerung katholischen Bekenntnisses nieder. Die Einstellung der neuen Einwohner gegenüber den Protestanten war oft geradezu feindlich. Die Masuren, die keine ausreichenden geistige Unterstützung seitens ihrer Kirche hatten und ungern von der zugezogenen Bevölkerung, aber auch den lokalen Behörden gesehen wurden, suchten eine neue Heimat außerhalb der Grenzen Polens. Viele Masurinnen und Masuren wurden, hauptsächlich durch Mischehen, von der römisch-katholischen Kirche absorbiert. Auch andere Bekenntnisse waren ihrer Aufnahme nicht abgeneigt. Heute sind von den etwa 100.000 Gläubigen der damaligen evangelischen Gemeinschaft in der Diözese Masuren etwa 5.000 Gläubige übrig, in 15 Gemeinden mit 29 Filialen. Zurzeit erfüllen in dieser Diözese den seelsorgerischen Dienst 17 Geistliche. Trotz dramatischer Schicksale blieben die Protestanten in kleiner Anzahl in Masuren. Zeugnis ihrer Gegenwart sind die auch im diakonischen (karitativ-fürsorglichen) und kulturellen Bereich aktiven Gemeinden sowie die 1999 registrierte Masurische Evangelische Gesellschaft.

- Sie haben über 40 Jahre lang Dienst in Masuren geleistet und haben enorme seelsorgerische Erfahrung. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation der Protestanten, wie sehen Sie ihre Zukunft?

- Die Zukunft der evangelisch-augsburgischen Kirche in Ermland und Masuren liegt vor allem in Gottes Händen. Unsere Aufgabe ist es daher, treu zum Evangelium Jesu Christi zu stehen und im Alltag Gottes Gebot der Liebe und Achtung für jeden Menschen und die gesamte Schöpfung umzusetzen. Wir dürfen auch unsere Geschichte und Tradition nicht vergessen. Die von der Masurischen Evangelischen Gesellschaft herausgegebene zweibändige Publikation „Kirchen und Gemeinden der Diözese Masuren. Vergangenheit und Gegenwart“ möchte die Geschichte von über 300 evangelischen sakralen Bauten und der Gemeinschaften, die sich in ihnen versammelt haben, in Erinnerung rufen und verewigen.

Rudolf Bażanowski – Bischof der evangelisch-augsburgischen Kirche im Ruhestand. Geboren 1953 in Kitschitz bei Skotschau. Im Jahr 1978 beendete er das Studium der Theologie an der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau. Von 1978 bis 1997 – Seelsorger der Gemeinde in Rastenburg, von 1997 bis 2018 – Seelsorger der Gemeinde in Allenstein. Von 1991 bis 2018 Oberhaupt der Diözese Masuren. Autor des Buchs: Kirchen und Gemeinden der Diözese Masuren. Vergangenheit und Gegenwart. Masurische Evangelische Gesellschaft, Allenstein 2019 (Kościoły i parafie Diecezji Mazurskiej. Przeszłość i teraźniejszość. MTE, Olsztyn 2019)

Dr Alfred Czesla