Über uns / Geschichte

Geschichte

Der Verband wurde als Dachverband der deutschen Gesellschaften im Bezirk des ehemaligen Ostpreußens in Polen am 3. Oktober 1992 in Bansen/Besia gegründet und am 9.  März 1993 unter dem Namen "Verband der Vereinigungen deutscher Bevölkerung im Ehemaligen Ostpreußen" (VdVeO) registriert.
Zu den Gründungsgesellschaften gehörten die damals schon registrierten deutschen Gesellschaften in Johannisburg, Bischofsburg, Sensburg, Lyck sowie Lötzen. 15 Personen aus verschiedenen Gesellschaften und Ortsgruppen bildeten das Gründungskomitee.


Weitere deutsche Gesellschaften traten dem Dachverband bei. Mittlerweile gehören dem Verband  insgesamt 22 Gesellschaften an. Im Juni 1997 änderte der VdVeO seinen Namen und seine Satzung. Bis 2009 wird er fortan „Verband der deutschen Gesellschaften im ehemaligen Ostpreußen“ (VdGeO) heißen, ab 2009 dann „Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren“(VDGEM).


Anfänge


1990 - 1991


Im Jahre 1989 vollzog sich eine grundlegende Änderung in der Politik der polnischen Regierung gegenüber seinen nationalen Minderheiten. Eine gemeinsame Erklärung des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki vom 14.11.1989 spricht in Punkt 45 von der Wahrung und Entfaltung der kulturellen Identität der Personen und Bevölkerungsgruppen deutscher Abstammung.
Im Ministerium für Kunst und Kultur in Warschau wurde ein Büro für nationale Minderheiten eingerichtet. Damit wurde nach langer Zeit der Weg frei für die Konstituierung deutscher Gesellschaften in Polen.
Schon im Januar 1990 wurden in Schlesien die ersten deutschen Minderheitsorganisationen in Gleiwitz und Oppeln registriert.
Im Gebiet Ermland und Masuren kam es erst mit einiger Verzögerung zu den ersten Gründungen. Den Anfang machte der deutschstämmige Bauer Paul Gollan aus Neudims/Najdymowo bei Bischofsburg, der gemeinsam mit seinen zwei Mitstreitern Georg Taube und Heinrich Pompetzki seit März 1989 an jedem Wochenende unterwegs war, um Unterschriften von deutschstämmigen Bewohnern zu sammeln. Im April 1989 traf man sich zur ersten Gründungsversammlung. Im November 1990 wurde der erste deutsche Verein in der Region Ermland und Masuren unter dem Namen Sozial-Kulturelle Gesellschaft deutscher Minderheit in Ermland und Masuren Mit Sitz in Bischofsburg beim Gericht in Allenstein registriert
Das Ostpreußenblatt berichtete am 8. September 1990 (Ansgar Graw):


Deutsch sind wir und bleiben wir

Auch die Ostpreußen in der Heimat beginnen sich jetzt zu organisieren


    Wie viele Deutsche leben noch im südlichen Ostpreußen? Paul Gollan will sich nicht auf Zahlenspekulationen einlassen, zumal bisherige polnische Statistiken die Existenz jeglicher deutschen Volksgruppe verleugnen. Aber der dynamische Bauer, [..] ist in den letzten Wochen [..] immer wieder auf ihm bislang unbekannte Landsleute gestoßen.
Seit diesem Zeitpunkt nämlich bemüht sich der Ermländer mit großem Engagement um die Organisierung der Deutschen in Ostpreußen und dort zunächst im Ermland: "Ich habe bis jetzt über 800 Deutsche auf dieser Liste registriert, die haben hier alle selbst unterschrieben." [..] Inzwischen helfen ihm andere Deutsche aus seinem Bekanntenkreis. Auch sie ziehen mit Listen durch die Dörfer und über die Höfe, lassen sich Namen und Adressen weiterer Landsleute geben und bitten um deren Unterschrift als Ausdruck des Bekenntnisses zu ihrer Nationalität.
Gollans Ziel: Ähnlich der Situation in Oberschlesien, [..] will er auch für Ostpreußen eine Interessenvertretung der in der Heimat verbliebenen Menschen erreichen.


    Eine wichtige Rolle bei der Entstehung deutscher Gesellschaften spielte auf dem Gebiet Ermland und Masuren die Landsmannschaft Ostpreußen, die vor Ort unermüdlich im Einsatz war. Sie versuchte vor allem durch Hilfstransporte und Spenden die Situation der deutschstämmigen Bevölkerung zu lindern und unter der weit verstreuten deutschstämmigen Bevölkerung Kontakte zu knüpfen.
Anfang November 1990 lud die Ostpreußische Landsmannschaft 22 Angehörige der deutschen Minderheit nach Bad Pyrmont (Ostheim) zu einer Schulung ein, bei der über Vereinsgründung, Satzungsentwurf und andere grundsätzliche Dinge geredet wurde. Weitere Schulungen folgten im März und November 1991. Die Treffen in Bad Pyrmont boten auch in den folgenden Jahren ein wichtiges Forum für die Diskussion über die gemeinsame Arbeit der deutschen Volksgruppen und der Landsmannschaft Ostpreußen.
Die Landsmannschaft Ostpreußen verfolgte das Ziel, in jedem alten Landkreis eine deutsche Gesellschaft zu gründen und damit die Organisationsform der Kreisgemeinschaften in der Landsmannschaft Ostpreußen mit einer entsprechenden Organisationsform im ehemaligen Ostpreußen zu verknüpfen. Die Gruppen sollten dann mit ihren Partnerschaftsgruppen in der Bundesrepublik eng zusammenarbeiten.
Zu gleich drei Neugründungen deutscher Vereine kam es in dieser Anfangszeit in Allenstein. Die Unabhängige Gesellschaft der Bevölkerung deutscher Herkunft Wurzel unter Vorsitz von Herrn Suchowski, die Gesellschaft polnischer Staatsbürger deutscher Nationalität unter Hildegunde Butrym sowie die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit unter Walter Angrik gründeten sich alle ab Mitte des Jahres 1990. Der Allensteiner Gesellschaft angegliedert waren Ortsgruppen in Deutsch Eylau unter Franz-Josef v. Czarnowski, Freudenberg unter Frau Ewa Siedlecka, Heilsberg unter Barbara Miczkewicz, Neidenburg unter Albert Wylengowski, Wartenburg unter Frau Lobert und Rößel unter Ewald Ditschkowski sowie die Ortsgruppe Guttstadt.
Auch die Masuriscbe Gesellschaft, die sich ebenfalls zur deutschen Sprache und Kultur bekannte, gehörte zu den ersten Gesellschaftsgründungen. Im Oktober 1990 traf sich eine Gruppe Interessierter zu den ersten Masurischen Gesprächen und entwarf das Statut der Gesellschaft.
In vielen weiteren Städten organisierten sich die Angehörigen der deutschen Minderheit. In Orteisburg wurde im Januar 1991 die deutsche Gesellschaft "Heimat" unter Edmunt Kuciriski, und im April 1991 die deutsche Gesellschaft "Tannen" in Osterode unter Waltraud Mroczyńska registriert, der sich die Ortsgruppe Hohenstein unter Eckhard Werner anschloss.


Ein sehr wichtiges Ereignis war der am 17. Juni 1991 geschlossene Vertrag zwischen Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, die den deutschen Volksgruppen ein Recht auf finanzielle Unterstützung seitens des deutschen und des polnischen Staates sowie Förderung und Schutz versprachen.
In den Paragraphen 20 - 22 heißt es unter anderem;


Artikel 20


1. Die Angehörigen der deutschen Minderheit in der Republik Polen, d.h. Personen polnischer Staatsangehörigkeit, die deutscher Abstammung sind oder sich zur deutschen Sprache, Kultur und Tradition bekennen, […] haben das Recht, einzeln und in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern ihrer Gruppe ihre ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität frei zum Ausdruck zu bringen, zu bewahren und weiterzuentwickeln; frei von jeglichen Versuchen, gegen ihren Willen assimiliert zu werden. […]    2. Die Vertragsparteien verwirklichen die Rechte und Verpflichtungen des internationalen Standards für Minderheiten […].

3. . Die Vertragsparteien erklären, dass die im Absatz l genannten Personen insbesondere das Recht haben, einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern der Gruppe

— sich privat und in der Öffentlichkeit ihrer Muttersprache frei zu bedienen, in ihr Informationen, zu verbreiten und auszutauschen und dazu Zugang zu haben.
— ihre eigenen Bildungs-, Kultur- und Religionseinrichtungen, -Organisationen und -Vereinigungen zu gründen und zu unterhalten, die um freiwillige Beiträge finanzieller oder anderer Art sowie öffentlicher Unterstützung im Einklang mit den nationalen Rechtsvorschriften ersuchen können […] — sich zu ihrer Religion zu bekennen und diese auszuüben […] — ihre Vor- und Familiennamen in der Form der Muttersprache zu führen,
— Organisationen und Vereinigungen in ihrem Land einzurichten und zu unterhalten und in internationalen nichtstaatlichen Organisationen mitzuarbeiten
— sich wie jedermann wirksamer Rechtsmittel […] zu bedienen. […]


Artikel 21


1. Die Vertragsparteien werden die ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität der […] genannten Gruppen auf ihrem Hoheitsgebiet schützen und Bedingungen für die Förderung dieser Identität schaffen. […]     2. Die Vertragsparteien werden insbesondere
— im Rahmen der geltenden Gesetze einander Förderungsmaßnahmen zugunsten der Angehörigen der […] genannten Gruppen und ihrer Organisationen ermöglichen und erleichtern,
— sich bemühen, den Angehörigen […] entsprechende Möglichkeiten für den Unterricht ihrer Muttersprache oder in ihrer Muttersprache in öffentlichen Bildungseinrichtungen sowie, wo immer dies möglich und notwendig ist, für deren Gebrauch bei Bebörden zu gewährleisten,
— […] die Geschichte und Kultur der […]  genannten Gruppen berücksichtigen,
— das Recht der […] genannten Gruppen achten, wirksam an öffentlichen Angelegenheiten teilzunehmen, […].


Im Jahre 1991 wurden noch weitere deutsche Volksgruppen ins Leben gerufen. Im Oktober ließen sich die deutsche Gesellschaft Bärentatze in Sensburg, die deutsche Gesellschaft in Bartenstein sowie die deutsche Gesellschaft Masuren in Lyck registrieren. Im Dezember folgte Treuburg.
Die Arbeit in den ersten beiden Gründungsjahren war vor allem den Schwierigkeiten der Neugründung und des Eintrags ins Register gewidmet. Auch die Mitgliederverwaltung und Beratung für die große Zahl Aussiedlungswilliger, denen man beim Erwerb und Nachweis der deutschen Abstammung behilflich war, zählten zu den primären Aufgaben der neu entstandenen Gruppen. Aktive Hilfe leisteten hier auch immer wieder Angehörige der Landsmannschaft Ostpreußen, die zu dieser Zeit stark im Land präsent waren.
Mit Unterstützung der Landsmannschaft fand auch das erste gemeinsame Sommertreffen im Juli 1991 in Neudims auf dem Hof von Paul Gollan statt.


Vorstand

Der Vorstand sowie der Vorsitzende werden seit der Satzungsänderung im Juni 1997 von der Delegiertenversammlung auf 3 Jahre (vorher auf 2 Jahre) gewählt. 7 Personen bilden den Vorstand.
 

  1993 1994
Vorsitzender: Eckhard Werner Eckhard Werner
Stellvertreter: Werner Lange Hans Biernatowski
Stellvertreter: Paul Gollan Werner Lange
Schriftführer: Elisabeth Lobert Elisabeth Lobert
Kassenwart: Michalina Dąbrowska Waltruand Mroczyńska
  / E. Dzienian Dietmar Dombrowski (Jugend / Kultur)
    E. Dzienian (Handwerker)
    Paul Gollan (Bauern)
    Hildegunde Butrym (Sozialarbeit)
     
  1995 1997
Vorsitzender: Eckhard Werner Eckhard Werner
Stellvertreter: Joachim Salewski Joachim Salewski
Stellvertreter: Jan Cymcyk ------------------
Schriftführer: Elisabeth Lobert ------------------
Kassenwart: Irene Huss Irene Huss
  Ursula Manka (Kultur) Heinz Olschewski (Deutschunterricht)
  R. Barczewski (Sekretariat) Alfred Czeszla (Dt.-Poln. Zusammenarbeit)
  E. Dzienian (Wirtschaftsobm.) Werner Lange (östliches Gebiete)
  H. Oprzyńska (Rechtsber.) Janusz Górecki (Jugend)
     
  2004  
Vorsitzender: Henryk Hoch  
Vize Vorsitzende: Barbara Rużewicz  
Schatzmeisterin: Rita Popławska  
Vorstandsmitglieder: Berta Ćwiek  
  Elisabeth Lobert  
  Teresa Gollan  
  Jerzy Hinz